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Nach dem Abnehmen: Wie halte ich mein Gewicht, ohne ständig Diät zu machen?

 

Als ich mit dem Abnehmen angefangen habe, hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Erfolg bedeutet. Die Zahl auf der Waage sollte kleiner werden. Möglichst regelmäßig, möglichst sichtbar und natürlich am liebsten schneller, als mein Körper das gelegentlich für angemessen hielt.

 

Das Ziel war einfach zu verstehen: weniger wiegen.

 

Über eine andere Frage hatte ich dagegen erstaunlich wenig nachgedacht. Was passiert eigentlich danach?

 

Denn irgendwann möchte ich morgens aufstehen, ohne gedanklich auf Diät zu sein. Ich möchte nicht für den Rest meines Lebens Lebensmittel in „erlaubt“ und „eigentlich lieber nicht“ einteilen. Ich möchte im Restaurant nicht zuerst überlegen, wie ich den Abend anschließend kompensieren kann, und nach einem Urlaub möchte ich auch nicht das Gefühl haben, am Montag müsse nun dringend wieder ein neues Abnehmprogramm beginnen.

 

Ich möchte mein Gewicht halten.

 

Aber vor allem möchte ich leben.

 

Und plötzlich erscheint mir das fast schwieriger als das Abnehmen selbst.

 

Die Waage war ein Ziel. Aber was kommt danach?

 

Beim Abnehmen hatte ich immer eine Richtung. Wenn mein Gewicht sank, war ich auf dem richtigen Weg. Wenn es eine Zeit lang stehen blieb, wurde ich ungeduldig. Und wenn es nach oben ging, begann sofort die Ursachenforschung.

 

Das ist zwar manchmal nervig, aber zumindest eindeutig.

 

Beim Gewicht halten verändert sich diese Logik. Es geht nicht mehr darum, dass die Zahl möglichst kontinuierlich sinkt. Eigentlich wäre es sogar vollkommen absurd, genau das dauerhaft zu erwarten. Irgendwann muss aus dem Abnehmen ein Zustand werden, in dem mein Körpergewicht nicht mehr ständig weiter nach unten gehen soll.

 

Als ich mit Arlett darüber gesprochen habe, fand ich ihre Antwort angenehm unspektakulär. Gewicht halten bedeutet nicht, jeden Morgen exakt dieselbe Zahl auf der Waage sehen zu müssen.

 

Unser Körpergewicht schwankt. Flüssigkeit, Salz, Kohlenhydrate, Verdauung und bei Frauen auch hormonelle Veränderungen können dazu führen, dass die Waage kurzfristig mehr oder weniger anzeigt. Das bedeutet nicht automatisch, dass innerhalb eines Tages entsprechend viel Körperfett auf- oder abgebaut wurde.

 

Eigentlich weiß ich das inzwischen.

 

Nur meine Gefühle beim Blick auf die Waage haben diese Information offenbar noch nicht vollständig verarbeitet.

 

Warum kann ich nicht einfach so weitermachen wie beim Abnehmen?

 

Das war meine nächste Frage an Arlett.

 

Wenn etwas funktioniert hat, warum sollte ich es verändern?

 

Weil Abnehmen und Gewicht halten zwei unterschiedliche Situationen sind. Während einer Gewichtsabnahme brauche ich ein Energiedefizit. Auf Dauer möchte ich aber nicht immer weiter Gewicht verlieren. Irgendwann muss sich Energieaufnahme und Energieverbrauch wieder stärker einpendeln.

 

Das klingt logisch. Trotzdem steckt darin eine der schwierigsten Aufgaben nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme.

 

Ich muss einen neuen Alltag finden.

 

Einfach zu meinem alten Alltag zurückzukehren, wäre vermutlich keine besonders gute Idee. Schließlich waren es genau die alten Gewohnheiten, die zumindest teilweise dazu beigetragen haben, dass ich überhaupt abnehmen wollte.

 

Andererseits möchte ich auch nicht dauerhaft in einer besonders strengen Abnehmphase bleiben.

 

Irgendwo dazwischen liegt also mein neues Normal.

 

Und das kann mir keine Waage vorgeben.

 

Was bleibt von Glyck?

 

Diese Frage gehört für mich selbstverständlich dazu.

 

Glyck war ein wichtiger Bestandteil meines Starts. Es hat mir einen Rahmen gegeben und Struktur geschaffen. Gerade am Anfang fand ich das hilfreich, weil ich nicht jeden Tag neu darüber verhandeln musste, ob ich heute nun vernünftig sein möchte oder doch lieber morgen.

 

Aber irgendwann verändert sich die Aufgabe.

 

Ich möchte nicht mein Leben lang das Gefühl haben, nur dann mein Gewicht kontrollieren zu können, wenn ich mich gerade in einem besonderen Programm befinde. Was ich aus dieser Zeit mitnehmen möchte, sind deshalb vor allem die Dinge, die sich tatsächlich in meinen Alltag übertragen lassen.

 

Wann esse ich, weil ich Hunger habe? Wann esse ich aus Gewohnheit? Welche Portionen brauche ich wirklich? Was passiert an stressigen Tagen? Wie viel bewege ich mich? Und wie reagiere ich, wenn mein Gewicht einmal etwas nach oben geht?

 

Glyck bleibt dabei ein Teil meiner Geschichte und kann weiterhin Struktur geben. Aber das eigentliche Ziel ist größer geworden: Ich möchte aus einer zeitlich begrenzten Veränderung Gewohnheiten entwickeln, die auch ohne permanentes Diätgefühl funktionieren.

 

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ein Abnehmkonzept seinen größten Wert beweisen muss.

 

Nicht nur dabei, Gewicht zu verlieren.

 

Sondern dabei, was man anschließend aus der Erfahrung macht.

 

Arlett sagt: Nicht jeder Ausschlag ist ein Rückfall

 

Dieser Gedanke gefällt mir besonders.

 

Denn ich kenne mich. Wenn die Waage nach einem Wochenende plötzlich ein Kilogramm mehr anzeigt, kann mein Kopf innerhalb weniger Sekunden eine erstaunlich dramatische Geschichte daraus machen.

 

Alles wieder drauf. Alles umsonst. Jetzt muss ich sofort reagieren.

 

Arlett sieht das wesentlich entspannter.

 

Eine einzelne Messung sagt zunächst wenig über eine längerfristige Gewichtsentwicklung aus. Wer sein Gewicht beobachten möchte, sollte deshalb eher auf die Entwicklung über einen längeren Zeitraum schauen als auf jede einzelne Schwankung.

 

Das ist genau die Art von Aufklärung, die ich inzwischen hilfreich finde. Keine spektakuläre Regel, kein „Geheimnis schlanker Menschen“ und kein Trick, mit dem angeblich alles ganz einfach wird.

 

Sondern etwas, auf das ich mich verlassen kann.

 

Und gleichzeitig bedeutet das natürlich nicht, eine längerfristige Gewichtszunahme einfach zu ignorieren. Wenn aus einer Schwankung über Wochen eine klare Entwicklung wird, kann ich reagieren. Vielleicht haben sich Portionen verändert. Vielleicht schleichen sich alte Gewohnheiten wieder ein. Vielleicht bewege ich mich weniger.

 

Dann kann ich gegensteuern, bevor aus zwei Kilogramm irgendwann zehn werden.

 

Das fühlt sich für mich wesentlich vernünftiger an als die alte Vorstellung: entweder perfekte Kontrolle oder kompletter Rückfall.

 

Ich möchte nicht für immer „brav“ sein

 

Vielleicht liegt darin mein eigentliches Problem mit dem Begriff Diät.

 

Eine Diät hat einen Anfang. Und in meinem Kopf hatte sie deshalb immer auch ein Ende.

 

Danach wollte ich wieder „normal“ essen.

 

Nur: Was ist normal?

 

Wenn normal bedeutet, genauso zu leben wie vorher, werde ich wahrscheinlich irgendwann auch wieder dort ankommen, wo ich vorher war. Wenn normal dagegen bedeutet, für immer jede Kalorie zu kontrollieren, möchte ich dieses Normal ebenfalls nicht.

 

Also muss ich mir mein eigenes Normal erst bauen.

 

Darin darf Kuchen vorkommen. Ein Restaurantbesuch auch. Weihnachten sowieso. Und vermutlich werde ich auch künftig gelegentlich abends auf dem Sofa sitzen und etwas essen, obwohl mein Körper gerade keinen medizinisch relevanten Energiemangel gemeldet hat.

 

Der Unterschied liegt vielleicht darin, dass daraus nicht wieder automatisch mein täglicher Alltag werden muss.

 

Genau das meinte Arlett, als wir darüber gesprochen haben, dass Gesundheit selten an einer einzelnen Entscheidung hängt. Viel wichtiger ist das Muster, das aus vielen Entscheidungen entsteht.

 

Das nimmt dem Stück Kuchen erstaunlich viel Macht.

 

Und mir hoffentlich ein wenig schlechtes Gewissen.

 

Vielleicht ist das die schwierigere Hälfte

 

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass wir über diese Phase viel zu wenig sprechen.

 

Abnehmgeschichten enden fast immer am schönsten Punkt. Vorher-Nachher-Foto, verlorene Kilogramm, neue Kleidergröße – fertig.

 

Aber das Leben geht am nächsten Morgen weiter.

 

Genau dort beginnt für mich inzwischen die spannendere Frage: Wie schaffe ich es, nicht ständig zwischen „Ich nehme ab“ und „Ich habe wieder zugenommen“ zu pendeln?

 

Die Antwort wird wahrscheinlich weniger spektakulär sein, als ich früher gehofft hätte. Ich werde weiterhin darauf achten müssen, was und wie viel ich esse. Bewegung bleibt wichtig. Gewohnheiten bleiben wichtig. Und wenn sich mein Gewicht längerfristig in die falsche Richtung entwickelt, werde ich reagieren müssen.

 

Aber vielleicht kann all das irgendwann einfach Alltag sein.

 

Ohne Neustart am Montag. Ohne schlechtes Gewissen nach dem Urlaub. Ohne die Vorstellung, ich müsse jeden Tag perfekt funktionieren.

 

Als ich mit Glyck angefangen habe, wollte ich leichter werden.

 

Heute merke ich, dass die eigentliche Herausforderung darin besteht, das Erreichte in ein Leben zu übersetzen, das ich dauerhaft führen möchte.

 

Und vielleicht ist genau das die zweite Hälfte des Abnehmens:

 

Nicht immer weiter abzunehmen – sondern irgendwann aufzuhören, ständig auf Diät zu sein.