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WARUM MACHT ABNEHMEN EIGENTLICH SO MÜDE?

Eigentlich hatte ich mit vielem gerechnet, als ich angefangen habe abzunehmen. Mit Hunger natürlich. Mit der gelegentlichen Sehnsucht nach Dingen, die plötzlich besonders interessant werden, sobald man beschlossen hat, sie seltener zu essen. Mit der Waage, die an manchen Tagen so tut, als hätte sie von meinen Bemühungen überhaupt nichts mitbekommen. Und irgendwann hatte ich mich sogar daran gewöhnt, dass Menschen einem ungefragt erklären, wie Abnehmen „ganz einfach“ funktioniert.

Womit ich weniger gerechnet hatte, war Müdigkeit.

Es gibt Tage, an denen ich morgens aufstehe und das Gefühl habe, mein Akku sei über Nacht nicht richtig geladen worden. Mittags könnte ich mich hinlegen und nachmittags frage ich mich, ob ein weiterer Kaffee eigentlich noch als Getränk oder schon als therapeutische Maßnahme durchgeht.

Zunächst hatte ich dafür eine wunderbar einfache Erklärung: Ich esse weniger, also bekommt mein Körper weniger Energie. Schließlich möchte ich abnehmen. Ein bisschen Müdigkeit gehört dann vermutlich dazu.

Als ich Arlett davon erzählte, war sie von meiner Theorie deutlich weniger begeistert als ich.

„Du willst Gewicht verlieren und nicht deine gesamte Energie“, sagte sie.

Damit war das Thema eröffnet.

Ein Kaloriendefizit ist notwendig – Erschöpfung aber nicht das Ziel

Um Körpergewicht zu verlieren, braucht es grundsätzlich ein Energiedefizit. Über einen längeren Zeitraum muss der Körper weniger Energie erhalten, als er verbraucht. So weit war mir das inzwischen bekannt. Was ich daraus offenbar gemacht hatte, war allerdings eine andere Gleichung: Wenn weniger Kalorien zum Abnehmen führen, müssten noch weniger Kalorien eigentlich noch besser sein.

Genau hier liegt nach Arletts Erklärung ein häufiger Denkfehler. Ein Kaloriendefizit soll eine Gewichtsabnahme ermöglichen, aber es sollte nicht zu einem Wettbewerb werden, wer möglichst wenig isst. Wird die Energiezufuhr sehr stark reduziert, kann sich das durchaus auf Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden auswirken. Konzentration, körperliche Belastbarkeit und Stimmung können leiden, und auch Müdigkeit kann auftreten.

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass jede Müdigkeit während einer Gewichtsabnahme automatisch durch das Kaloriendefizit verursacht wird. Genau diese Unterscheidung war Arlett wichtig. Wer gerade abnimmt, neigt schnell dazu, jede körperliche Veränderung mit der Ernährung zu erklären. Dabei kann Müdigkeit ausgesprochen viele Ursachen haben.

Vielleicht schlafe ich zu wenig. Vielleicht ist mein Schlaf nicht erholsam. Stress kann eine Rolle spielen, ebenso bestimmte Medikamente oder Erkrankungen. Auch ein Eisenmangel oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung können beispielsweise mit Müdigkeit einhergehen. Bei Frauen in meinem Alter kommt außerdem ein Thema hinzu, das sich nicht einfach ausblenden lässt: die Wechseljahre. Hormonelle Veränderungen und Schlafprobleme können ebenfalls Einfluss darauf haben, wie leistungsfähig und ausgeschlafen man sich fühlt.

Plötzlich war aus meiner einfachen Gleichung „weniger Essen gleich weniger Energie“ eine wesentlich interessantere Frage geworden.

Wie viel Müdigkeit gehört beim Abnehmen überhaupt dazu – und ab wann sollte ich genauer hinschauen?

Abnehmen darf nicht zur Mangelernährung werden

Eine Sache hatte ich in den vergangenen Monaten gelernt: Kalorien und Nährstoffe sind nicht dasselbe.

Man kann relativ viele Kalorien aufnehmen und sich trotzdem unausgewogen ernähren. Umgekehrt kann man seine Kalorienzufuhr reduzieren und trotzdem darauf achten, dass der Körper mit Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und anderen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Je stärker die Ernährung eingeschränkt wird, desto wichtiger wird allerdings die Frage, was mit den verbleibenden Mahlzeiten tatsächlich auf dem Teller landet.

Arlett machte mir dabei noch einmal deutlich, dass Müdigkeit kein Beweis für einen bestimmten Nährstoffmangel ist. Wer müde ist, sollte deshalb nicht auf Verdacht Eisen, Vitamin B12 oder irgendein anderes Nahrungsergänzungsmittel kaufen, nur weil ein Video im Internet behauptet, genau darin liege die Ursache.

Das fand ich bemerkenswert, weil genau solche Erklärungen unglaublich verführerisch sind. Ein Problem, ein Nährstoff, eine Kapsel – fertig.

Der menschliche Körper ist leider selten so übersichtlich.

Gerade Eisen ist dafür ein gutes Beispiel. Ein Eisenmangel kann Müdigkeit und Leistungsabfall verursachen, aber daraus folgt nicht, dass jeder müde Mensch Eisen benötigt. Ob tatsächlich ein Mangel besteht und was dahintersteckt, lässt sich gegebenenfalls durch eine entsprechende Diagnostik klären. Einfach dauerhaft hoch dosiert auf Verdacht zu supplementieren, ist keine besonders vernünftige Abnehmstrategie.

Für mich bedeutet das inzwischen: Wenn ich beim Abnehmen ungewöhnliche Beschwerden bemerke, sollte mein erster Reflex nicht darin bestehen, die Kalorien noch weiter zu reduzieren oder wahllos Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Zunächst sollte ich überlegen, was sich tatsächlich verändert hat.

Und wo bleibt Glyck?

Natürlich habe ich Arlett auch gefragt, wie Glyck in diese Überlegung passt. Schließlich ist es weiterhin Teil meines Weges und soll mir gerade dabei helfen, meine Ernährung während des Abnehmens zu strukturieren.

Für mich liegt der entscheidende Punkt inzwischen genau in diesem Wort: Struktur.

Ich habe Glyck anfangs viel stärker als „Abnehmprodukt“ betrachtet. Mittlerweile sehe ich es eher als Bestandteil eines Systems, das mir hilft, meinen Alltag während der Gewichtsreduktion zu organisieren. Das entbindet mich aber nicht davon, auf meine Ernährung, ausreichendes Trinken und darauf zu achten, wie ich mich tatsächlich fühle.

Und vor allem bedeutet Glyck nicht, dass „weniger“ automatisch immer „besser“ wäre.

Diese Erkenntnis klingt banal, ist für mich aber ziemlich wichtig. Beim Abnehmen kann leicht eine Art Ehrgeiz entstehen. Wenn 500 Gramm weniger auf der Waage gut sind, erscheint ein Kilogramm noch besser. Wenn ein Kaloriendefizit funktioniert, wirkt ein größeres Defizit zunächst besonders konsequent. Irgendwann beschäftigt man sich stärker damit, wie schnell das Gewicht sinkt, als damit, wie gut der eigene Körper mit diesem Weg zurechtkommt.

Genau das möchte ich nicht.

Ich will abnehmen. Aber ich möchte nicht für eine möglichst schnelle Zahl auf der Waage meinen gesamten Alltag auf Sparflamme stellen.

Vielleicht ist die Energie genauso wichtig wie die Waage

Seit unserem Gespräch beobachte ich meine Müdigkeit anders. Nicht ängstlich und auch nicht mit dem Gedanken, dass hinter jedem müden Nachmittag gleich eine Erkrankung stecken muss. Müdigkeit ist zunächst einmal etwas völlig Alltägliches. Nach einer schlechten Nacht, einem anstrengenden Tag oder einer stressigen Woche muss ich daraus kein medizinisches Rätsel machen.

Wenn sie aber dauerhaft auftritt, deutlich stärker wird oder weitere Beschwerden hinzukommen, sollte ich sie auch während des Abnehmens nicht einfach als unvermeidliche Begleiterscheinung akzeptieren. Dann kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls ärztlich abklären zu lassen, ob eine andere Ursache dahintersteckt.

Das hat meine Sicht auf meinen eigenen Weg ein wenig verändert. Ich schaue weiterhin auf mein Gewicht. Natürlich freue ich mich, wenn die Waage in die richtige Richtung geht. Aber sie ist eben nur eine Zahl unter vielen möglichen Hinweisen darauf, wie es mir gerade geht.

Vielleicht sollte ich mich deshalb beim Abnehmen nicht nur fragen: Wie viel habe ich diese Woche verloren?

Sondern gelegentlich auch: Schlafe ich gut? Bin ich leistungsfähig? Habe ich genügend Energie für meinen Alltag? Fühle ich mich mit dem, was ich gerade mache, eigentlich wohl?

Denn ein erfolgreicher Weg kann für mich nicht darin bestehen, irgendwann leichter zu sein und gleichzeitig keine Kraft mehr für mein Leben zu haben.

Arlett hatte mit ihrem ersten Satz also vermutlich recht: Ich möchte Gewicht verlieren – nicht meine gesamte Energie.