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DIE HOSE PASST WIEDER – UND PLÖTZLICH WURDE MEIN ABNEHMEN SICHTBAR

Heute Morgen stand ich vor meinem Kleiderschrank und habe eine Hose herausgezogen, die dort schon ziemlich lange unbeachtet lag. Ich mochte sie immer, aber irgendwann wurde sie einfach zu eng. Zuerst musste man beim Zumachen ein bisschen den Bauch einziehen, später wurde es unangenehm und irgendwann habe ich aufgehört, sie überhaupt anzuprobieren. Weggegeben habe ich sie trotzdem nicht. Wahrscheinlich kennt jeder diese eine Hose, bei der man sich einredet: Die passt irgendwann wieder.

Heute war offenbar irgendwann.

Ich weiß gar nicht genau, warum ich ausgerechnet heute danach gegriffen habe. Vielleicht lag es an den letzten Wochen. Die Waage bewegt sich inzwischen in die richtige Richtung, mein Gesicht sieht anders aus und auch aus meinem Umfeld höre ich immer häufiger die Frage, ob ich abgenommen hätte. Trotzdem sieht man sich selbst jeden Morgen im Spiegel, und dadurch fallen einem Veränderungen wahrscheinlich viel weniger auf als anderen.

Also habe ich die Hose angezogen. Erst das eine Bein, dann das andere, hochgezogen und mich innerlich schon darauf eingestellt, dass zwischen Knopf und Knopfloch wieder diese bekannten Zentimeter fehlen würden. Stattdessen konnte ich sie einfach schließen.

Ich musste lachen.

Dann habe ich sie noch einmal aufgemacht und wieder zugemacht. Nicht weil ich plötzlich vergessen hätte, wie ein Hosenknopf funktioniert, sondern weil ich diesen kleinen Erfolg tatsächlich einen Moment genießen wollte. Die Hose passte nicht irgendwie mit Luftanhalten und guten Wünschen. Sie passte wirklich.

Natürlich habe ich sofort Arlett ein Foto geschickt. Wenn man jemanden über Wochen mit Fragen zu Ernährung, Kaloriendefizit, Hunger, Glyck und der eigenen Waage beschäftigt, muss diese Person schließlich auch die Erfolgsmeldungen ertragen. Ihre Antwort kam ziemlich schnell: „Sehr schön. Und jetzt bitte nicht anfangen, den ganzen Kleiderschrank neu zu kaufen.“

Ich fürchte, dafür war es bereits zu spät.

Was mich an diesem Morgen aber wirklich beschäftigt hat, war etwas anderes. Die Zahl auf der Waage hatte mir längst gezeigt, dass ich Gewicht verloren habe. Trotzdem hat sich dieser Moment mit der Hose viel konkreter angefühlt. Vielleicht weil eine Zahl abstrakt bleibt. Ein Kleidungsstück dagegen begleitet einen durch den Alltag. Man weiß noch genau, wann es anfing zu spannen, wann man den Gürtel weggelassen hat und wann man schließlich beschlossen hat, es lieber im Schrank hängen zu lassen.

Plötzlich merkt man daran nicht nur, dass Gewicht verschwunden ist, sondern dass der eigene Körper tatsächlich weniger Raum braucht.

Darüber habe ich später noch mit Arlett gesprochen. Sie fand es überhaupt nicht ungewöhnlich, dass mich dieser Moment stärker beschäftigt hat als die Waage. Beim Abnehmen verändert sich schließlich nicht nur das Gewicht. Körperumfang und Körperzusammensetzung verändern sich ebenfalls, und gleichzeitig schwankt das Gewicht beispielsweise durch Wasser oder Verdauung. Deshalb kann eine Hose manchmal etwas zeigen, was eine einzelne Zahl am Morgen nicht erzählen kann.

Ich merke ohnehin immer stärker, dass ich meinen Erfolg nicht mehr an einem einzigen Wert festmachen möchte. Natürlich will ich weiter abnehmen. Ich bin noch lange nicht dort, wo ich hinmöchte, und ein Kaloriendefizit bleibt dafür die Voraussetzung. Aber inzwischen gibt es neben der Waage andere Zeichen: mein Gesicht, meine Bewegung, Reaktionen anderer Menschen – und seit heute eben diese Hose.

Vielleicht motiviert mich das gerade deshalb so sehr, weil dahinter kein kurzfristiger Trick steckt. Ich habe meine Ernährung verändert, ich esse strukturierter und ich versuche, die vielen kleinen Gewohnheiten in den Griff zu bekommen, die früher dafür gesorgt haben, dass aus einem guten Vorsatz irgendwann wieder der nächste Neuanfang wurde. Glyck hilft mir weiterhin dabei, besonders die Phasen zu überbrücken, in denen ich früher schnell wieder bei irgendwelchen Zwischenmahlzeiten gelandet wäre. Aber auch das funktioniert nur zusammen mit der Veränderung meines Alltags. Genau diese Kombination scheint bei mir inzwischen etwas zu bewirken.

Und dann stand ich heute Morgen eben vor diesem Spiegel.

Mit meiner alten Hose.

Sie macht mich nicht schlank. Sie bedeutet auch nicht, dass ich mein Ziel erreicht habe. Aber sie erinnert mich daran, dass zwischen meinem Anfang und heute tatsächlich etwas passiert ist.

Das darf man auch einmal feiern.

Arlett wird damit leben müssen.

Und den Kleiderschrank lasse ich vorerst trotzdem noch zu.