Warum nehme ich zu, obwohl ich kaum etwas esse?
Wenn ich eine Sache aus den letzten Wochen gelernt habe, dann diese: Unser Gefühl für Ernährung ist oft erstaunlich ungenau.
Nach dem Workshop kamen viele Fragen per Mail. Manche wollten wissen, wie viel ich abgenommen habe, andere interessierten sich für Glyck oder meine neue Struktur beim Essen. Die häufigste Frage war aber eine ganz andere:
„Warum nehme ich zu, obwohl ich kaum etwas esse?“
Ich musste darüber schmunzeln, weil ich diesen Satz selbst jahrelang gesagt habe.
Früher war ich überzeugt, dass meine Hauptmahlzeiten gar nicht das Problem sind. Frühstück eher klein, mittags oft wenig Zeit und abends auch nicht übertrieben. Wenn man nur diese drei Mahlzeiten betrachtet hätte, wäre meine Rechnung vermutlich sogar aufgegangen.
Genau darüber habe ich mit Arlett gesprochen.
Sie erzählte mir, dass sie diesen Satz in der Apotheke ständig hört. Menschen sind oft ehrlich überzeugt, wenig zu essen. Und wenn man die Hauptmahlzeiten betrachtet, stimmt das häufig sogar. Das eigentliche Problem liegt woanders.
Es sind die vielen kleinen Entscheidungen dazwischen.
Ein Kaffee mit Milch hier, ein Fruchtsaft dort, ein paar Nüsse beim Vorbeigehen, ein Müsliriegel im Auto oder ein Stück Schokolade am Nachmittag. Nichts davon wirkt dramatisch. Aber genau diese Kleinigkeiten summieren sich über Wochen und Monate.
Arlett meinte dazu etwas, das mir hängen geblieben ist: Unser Gehirn speichert viele Kalorien nicht als Mahlzeit ab. Deshalb erinnern wir uns oft an das Mittagessen oder das Abendbrot – aber nicht an alles, was nebenbei passiert ist.
Und genau deshalb entsteht häufig der Eindruck, man würde „kaum etwas essen“.
Im Gespräch wurde noch etwas deutlich: Viele Menschen konzentrieren sich ausschließlich auf die Qualität ihrer Ernährung. Gesund essen ist wichtig, keine Frage. Gesund bedeutet aber nicht automatisch kalorienarm.
Eine Handvoll Nüsse ist gesund. Ein Smoothie kann gesund sein. Ein Fruchtsaft ebenfalls. Trotzdem können genau diese Lebensmittel dazu führen, dass am Ende kein Kaloriendefizit entsteht.
Marco hat dazu einmal gesagt: „Man nimmt nicht durch gesunde Lebensmittel ab. Man nimmt durch ein Kaloriendefizit ab.“
Das klingt zunächst hart, ist aber die Grundlage von allem.
Genau deshalb habe ich meinen Fokus verändert. Ich versuche nicht mehr, ständig die perfekte Ernährung zu finden. Stattdessen achte ich darauf, dass mein Alltag ruhiger und strukturierter wird. Weniger spontane Entscheidungen, weniger Nebenbei-Essen und weniger Situationen, in denen ich aus Gewohnheit etwas konsumiere.
An dieser Stelle hilft mir Glyck inzwischen sehr. Nicht weil es Kalorien verschwinden lässt oder eine Mahlzeit ersetzt, sondern weil genau diese typischen Zwischenphasen deutlich ruhiger geworden sind. Ich denke weniger ans Essen, greife seltener spontan zu und kann die Struktur besser durchhalten.
Vielleicht liegt genau dort der wichtigste Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
Die meisten Menschen wissen längst, was gesund ist. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, den Alltag so zu gestalten, dass daraus auch ein echtes Kaloriendefizit entsteht.
Und genau dort beginnt nachhaltiges Abnehmen.