Warum es sich plötzlich anders anfühlt, wenn andere zuhören
Heute ist etwas passiert, das ich so nicht erwartet habe. Marco und Bettina haben mich zu einem Online-Workshop eingeladen. Nicht als Zuhörerin, sondern als jemand, der seinen eigenen Weg zeigt. Als Beispiel, wie man das Ganze im Alltag umsetzt. Als ich die Nachricht gelesen habe, habe ich mich zuerst gefreut – und im nächsten Moment gemerkt, dass ich nervös werde.
Ich sehe mich selbst nicht als Vorbild. Ich mache das für mich, probiere Dinge aus, merke, was funktioniert und was nicht. Es ist kein fertiges Konzept, eher ein Prozess. Genau deshalb hat mich die Einladung auch überrascht. Ich hätte eher gedacht, dass dort mit klaren Plänen, festen Abläufen und „richtigen“ Lösungen gearbeitet wird.
Im Gespräch mit Marco wurde mir dann klar, warum sie genau das nicht wollen. Es geht ihnen nicht darum, ein perfektes System zu zeigen, sondern etwas, das im Alltag funktioniert. Und genau das entsteht nicht im Lehrbuch, sondern in der Praxis. In den Tagen, die gut laufen, und in denen, die eben nicht perfekt sind.
Trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass man plötzlich anders auf sich selbst schaut. Wenn man weiß, dass andere zuhören, dass Fragen kommen, dass man Dinge erklären muss, die man bisher einfach gemacht hat. Man merkt, dass es einen Unterschied macht, ob man etwas für sich selbst tut oder ob man es in Worte fassen soll.
Ich habe Arlett dazu geschrieben, weil ich wissen wollte, ob das wirklich sinnvoll ist oder ob ich mich da gerade in etwas hineinziehen lasse, das größer ist als das, was ich eigentlich mache. Ihre Antwort war ziemlich klar. Sie meinte, dass genau solche Einblicke oft fehlen. Keine perfekten Abläufe, sondern ehrliche Prozesse. Und dass es für viele hilfreicher ist, jemanden zu sehen, der gerade mittendrin ist, als jemanden, der nur erklärt, wie es theoretisch funktioniert.
Das hat meine Perspektive ein Stück weit verändert. Es geht nicht darum, etwas darzustellen oder zu präsentieren, sondern darum, ehrlich zu zeigen, wie es läuft. Mit den Punkten, die funktionieren, und denen, die noch nicht rund sind.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich das Ganze trotzdem beschäftigt. Weil es nicht mehr nur mein eigenes Thema ist. Weil ich merke, dass andere genauer hinschauen. Und weil ich mich selbst ein Stück weit neu einordnen muss.
Ich bin gespannt, wie der Workshop wird. Nicht, weil ich glaube, dass ich dort irgendetwas perfekt erklären kann, sondern weil ich sehen will, wie sich das anfühlt, wenn man plötzlich nicht mehr nur für sich selbst unterwegs ist.