Skip to main content

Warum die Abnehmspritze so erfolgreich ist - und warum ich das verstehe

Wenn ich die Diskussionen der letzten Monate verfolge, dann habe ich manchmal das Gefühl, dass Menschen nur noch in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die einen feiern die Abnehmspritze als medizinische Revolution, die anderen lehnen sie grundsätzlich ab. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto weniger hilfreich erscheint mir diese Einteilung.

Vielleicht liegt das daran, dass ich inzwischen beide Seiten verstehen kann.

Hätte man mir vor einigen Jahren eine Möglichkeit angeboten, ohne ständigen Hunger, ohne Frust und mit realistischen Erfolgsaussichten Gewicht zu verlieren, hätte ich vermutlich keine lange Bedenkzeit gebraucht. Wer über Jahre mit seinem Gewicht kämpft, entwickelt irgendwann eine gewisse Müdigkeit. Man kennt die Ratschläge, hat vieles ausprobiert und beginnt irgendwann zu zweifeln, ob es überhaupt noch funktionieren kann.

Genau deshalb überrascht mich der Erfolg der Abnehmspritzen überhaupt nicht.

Was mich dagegen überrascht hat, war ein Gespräch mit Arlett vor einigen Tagen. Eigentlich wollten wir über etwas ganz anderes sprechen. Irgendwann kamen wir auf das Thema Gewichtsreduktion und die aktuelle Begeisterung rund um diese Medikamente. Ich hatte erwartet, dass sie entweder dafür oder dagegen argumentiert. Stattdessen stellte sie eine Gegenfrage.

„Was glaubst du eigentlich, warum Menschen abnehmen wollen?“

Zuerst fand ich die Frage seltsam. Die Antwort schien doch offensichtlich. Um Gewicht zu verlieren.

Arlett lächelte nur und meinte, dass genau dort häufig das Missverständnis beginnt.

Die meisten Menschen möchten nicht einfach weniger wiegen. Sie möchten sich wohler fühlen. Sie möchten sich leichter bewegen können, gesünder leben, wieder Energie haben oder sich im eigenen Körper wohler fühlen. Das Gewicht wird dabei oft zum Symbol für etwas Größeres.

Je länger wir darüber gesprochen haben, desto klarer wurde mir, worauf sie hinauswollte.

Gewicht zu verlieren und das eigene Leben zu verändern sind nicht automatisch dieselbe Sache.

Natürlich hängen beide Dinge zusammen. Trotzdem kann man das eine erreichen, ohne das andere vollständig mitzunehmen. Genau deshalb stellt sich aus ihrer Sicht irgendwann eine andere Frage. Nicht wie schnell jemand Gewicht verliert, sondern wie sich sein Alltag verändert.

Ich musste dabei an die vielen Nachrichten denken, die ich nach dem Workshop bekommen habe. Kaum jemand fragte nach komplizierten Stoffwechselvorgängen. Die meisten Fragen drehten sich um ganz alltägliche Dinge. Wie man mit Heißhunger umgeht. Wie man bei Stress nicht wieder in alte Muster zurückfällt. Wie man es schafft, dauerhaft dranzubleiben.

Keiner dieser Punkte verschwindet automatisch, nur weil die Zahl auf der Waage sinkt.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich heute anders über das Thema denke als früher. Früher hätte mich vor allem interessiert, wie schnell ein Weg funktioniert. Heute interessiert mich stärker, ob er langfristig in mein Leben passt.

Das bedeutet nicht, dass ich moderne Medikamente ablehne. Ganz im Gegenteil. Ich verstehe sehr gut, warum viele Menschen diesen Weg wählen. Und ich freue mich für jeden, der dadurch gesundheitliche Vorteile erreicht.

Trotzdem hat sich mein eigener Blick verändert.

Ich merke inzwischen, dass mich nicht nur die verlorenen Kilos motivieren. Viel wichtiger ist das Gefühl, meinen Alltag besser zu verstehen. Warum ich früher gegessen habe, obwohl ich keinen Hunger hatte. Warum bestimmte Situationen immer wieder gleich abliefen. Warum manche Gewohnheiten so hartnäckig waren.

Genau dort haben die Gespräche mit Arlett, die Unterstützung durch Marco und auch meine Erfahrungen mit Glyck einen Unterschied gemacht. Nicht weil sie mir die Arbeit abgenommen haben, sondern weil sie mir geholfen haben, die eigentliche Aufgabe zu erkennen.

Und die lautet nicht: möglichst schnell Gewicht verlieren.

Die eigentliche Aufgabe lautet, ein Leben aufzubauen, in dem das geringere Gewicht überhaupt eine Chance hat, dauerhaft zu bleiben.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ich bisher auf diesem Weg gewonnen habe.

Nicht jede schnelle Lösung ist falsch.

Aber jede langfristige Lösung beginnt irgendwann mit einer Veränderung des eigenen Alltags.