VITAMIN-B6-MANGEL
Kurzdefinition
Vitamin B6 ist die Sammelbezeichnung für mehrere verwandte Verbindungen, darunter Pyridoxin. Es ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt und besonders wichtig für den Eiweißstoffwechsel, die Bildung verschiedener Botenstoffe im Nervensystem, die Blutbildung und die Funktion des Immunsystems.
Was passiert bei einem Mangel im Körper?
Fehlt Vitamin B6 über längere Zeit, können insbesondere Blutbildung, Haut, Schleimhäute und Nervensystem beeinträchtigt werden. Ein ausgeprägter isolierter Mangel ist eher selten und tritt häufig gemeinsam mit einer Unterversorgung anderer B-Vitamine auf.
Typische Mangelerscheinungen
– Müdigkeit und Leistungsschwäche
– eingerissene Mundwinkel
– entzündete oder gerötete Zunge
– Hautveränderungen
– erhöhte Infektanfälligkeit
– Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
– Kribbeln oder Taubheitsgefühle
– bei ausgeprägtem Mangel Blutarmut
Wer besonders gefährdet ist
– Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen
– Personen mit ausgeprägter Mangelernährung
– Menschen mit chronisch hohem Alkoholkonsum
– ältere Menschen mit sehr einseitiger Ernährung
– Personen mit bestimmten Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen
– Menschen, die bestimmte Medikamente langfristig einnehmen
Referenzwerte / Richtwerte
Der Bedarf hängt unter anderem von Alter und Geschlecht ab. Für Erwachsene liegt die empfohlene tägliche Zufuhr ungefähr bei 1,4 bis 1,6 Milligramm Vitamin B6.
Eine abwechslungsreiche Ernährung deckt diesen Bedarf normalerweise problemlos.
Ernährung bei Vitamin-B6-Mangel
Gute Vitamin-B6-Quellen sind:
– Fleisch und Geflügel
– Fisch
– Kartoffeln
– Vollkornprodukte
– Hülsenfrüchte
– Nüsse
– Bananen
Vitamin B6 kommt sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor.
Grenzen, Risiken und Irrtümer
Gerade bei Vitamin B6 gilt: Mehr ist keineswegs automatisch besser. Hochdosierte Präparate werden beispielsweise gegen Müdigkeit, Stress oder Nervenschmerzen angeboten. Eine langfristige übermäßige Einnahme kann jedoch selbst Nervenschäden verursachen. Kribbeln, Taubheitsgefühle oder andere Missempfindungen können deshalb paradoxerweise sowohl bei einem Mangel als auch bei einer Überversorgung auftreten.
Ein weiterer Irrtum:
Beschwerden wie Müdigkeit, gereizte Haut oder eingerissene Mundwinkel beweisen keinen Vitamin-B6-Mangel. Sie können zahlreiche andere Ursachen haben.
Apotheker-Einordnung
Vitamin B6 ist ein besonders gutes Beispiel dafür, warum Nahrungsergänzungsmittel nicht nach dem Prinzip „kann ja nicht schaden“ eingenommen werden sollten. Das Vitamin ist lebensnotwendig, ein echter Mangel bei ausgewogener Ernährung jedoch selten. Gleichzeitig kann eine dauerhaft zu hohe Zufuhr aus Nahrungsergänzungsmitteln genau jene neurologischen Beschwerden hervorrufen, gegen die solche Präparate teilweise eingenommen werden. Deshalb lohnt sich gerade bei hochdosierten B-Vitamin-Produkten ein genauer Blick auf Dosierung, Einnahmedauer und tatsächlichen Bedarf.