VITAMIN-E-MANGEL
Kurzdefinition
Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin und schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Es trägt dazu bei, Zellmembranen vor Schäden durch sogenannte freie Radikale zu bewahren und spielt außerdem eine Rolle für das Immunsystem.
Was passiert bei einem Mangel im Körper?
Fehlt Vitamin E über längere Zeit, kann der Schutz der Zellmembranen beeinträchtigt werden. Besonders empfindlich reagieren Nerven- und Muskelzellen. Ein ausgeprägter Vitamin-E-Mangel ist bei gesunden Menschen mit ausgewogener Ernährung allerdings selten.
Typische Mangelerscheinungen
– Muskelschwäche
– verminderte Leistungsfähigkeit
– Störungen der Bewegungskoordination
– Kribbeln oder Taubheitsgefühle
– verminderte Reflexe
– Sehstörungen
– bei schwerem Mangel neurologische Beschwerden
Wer besonders gefährdet ist
– Menschen mit chronischen Darmerkrankungen
– Personen mit Störungen der Fettverdauung oder Fettaufnahme
– Menschen mit bestimmten Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
– Personen mit schweren Leber- oder Gallenerkrankungen
– Menschen mit seltenen angeborenen Stoffwechselstörungen
Referenzwerte / Richtwerte
Der tägliche Bedarf hängt unter anderem von Alter und Geschlecht ab. Für Erwachsene werden ungefähr 8 bis 15 Milligramm Vitamin E beziehungsweise α-Tocopherol-Äquivalente pro Tag als angemessene Zufuhr angegeben.
Ein echter Vitamin-E-Mangel entsteht normalerweise nicht allein durch eine kurzfristig vitamin-E-arme Ernährung.
Ernährung bei Vitamin-E-Mangel
Besonders gute Vitamin-E-Quellen sind:
– pflanzliche Öle
– Weizenkeimöl
– Sonnenblumenöl
– Nüsse
– Mandeln
– Samen
– Vollkornprodukte
Da Vitamin E fettlöslich ist, wird es zusammen mit Nahrungsfetten aufgenommen.
Grenzen, Risiken und Irrtümer
Nicht jede Muskelschwäche oder jedes Kribbeln ist auf einen Vitamin-E-Mangel zurückzuführen. Solche Beschwerden können zahlreiche andere Ursachen haben und sollten bei längerem Bestehen abgeklärt werden.
Ein häufiger Irrtum:
Weil Vitamin E als Antioxidans wirkt, wird häufig angenommen, besonders hohe Dosierungen müssten besonders gesund sein. Das stimmt nicht. Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel bieten gesunden Menschen nicht automatisch einen zusätzlichen Nutzen und können bei langfristiger Einnahme auch Risiken mit sich bringen.
Apotheker-Einordnung
Vitamin E zeigt besonders gut, warum Nahrungsergänzung differenziert betrachtet werden sollte. Der Stoff ist lebenswichtig, ein echter Mangel bei gesunden Menschen aber selten. Eine zusätzliche Einnahme „auf Verdacht“ ist deshalb meist nicht notwendig. Bestehen Erkrankungen, die die Aufnahme von Nahrungsfetten beeinträchtigen, sieht die Situation dagegen anders aus. Entscheidend ist also nicht, ob ein Vitamin grundsätzlich wichtig ist, sondern ob tatsächlich ein Risiko für eine Unterversorgung besteht.