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WARUM JUCKT EIN MÜCKENSTICH EIGENTLICH SO LANGE?

Die Mücke ist längst weg – die Reaktion unserer Haut aber noch nicht

Die Mücke braucht nur wenige Sekunden. Wir bemerken häufig nicht einmal, dass sie zugestochen hat. Erst einige Minuten später beginnt es: Eine kleine Erhebung entsteht, die Haut wird rot und dann kommt dieser Juckreiz, der erstaunlich hartnäckig sein kann. Stunden später juckt es noch immer. Manchmal sogar am nächsten oder übernächsten Tag.

Aber warum eigentlich?

Die überraschende Antwort lautet: Nicht der eigentliche Stich ist das Problem, sondern der Speichel der Mücke und die Reaktion unseres Immunsystems darauf.

Wenn eine weibliche Stechmücke Blut saugt, muss sie verhindern, dass das Blut an der Einstichstelle sofort gerinnt. Deshalb gibt sie während des Saugvorgangs Speichel in die Haut ab. Dieser enthält verschiedene Proteine und andere Substanzen, die ihr die Blutmahlzeit erleichtern.

Unser Körper erkennt Bestandteile dieses Speichels jedoch als fremd. Das Immunsystem reagiert darauf und setzt verschiedene Botenstoffe frei. Einer der wichtigsten ist Histamin.

Histamin erweitert kleine Blutgefäße und erhöht deren Durchlässigkeit. Dadurch kann Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gelangen. Die typische kleine Schwellung entsteht, die Haut rötet sich – und gleichzeitig werden Nervenendigungen aktiviert, die das unangenehme Juckreizsignal an unser Gehirn weitergeben.

Die Mücke ist zu diesem Zeitpunkt längst verschwunden.

Der Juckreiz ist also gewissermaßen die Nachwirkung unserer eigenen Immunabwehr.

Und genau deshalb verschwindet er nicht in dem Moment, in dem die Mücke wegfliegt. Die lokale Entzündungsreaktion benötigt Zeit, um wieder abzuklingen. Wie stark und wie lange sie anhält, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Manche bemerken einen Stich nach kurzer Zeit kaum noch, während andere große, stark juckende Quaddeln entwickeln.

Dann beginnt häufig das nächste Problem: Wir kratzen.

Für wenige Sekunden fühlt sich das erstaunlich gut an. Der Schmerzreiz des Kratzens kann den Juckreiz kurzfristig überlagern. Doch die Erleichterung hat ihren Preis. Intensives Kratzen reizt die Haut zusätzlich, kann die Entzündungsreaktion verstärken und kleine Verletzungen verursachen. Über aufgekratzte Haut können außerdem Bakterien eindringen.

Deshalb lautet eine der einfachsten Empfehlungen aus der Apotheke: kühlen statt kratzen.

Kühle Umschläge oder geeignete kühlende Produkte können den Juckreiz lindern. Bei stärkeren Beschwerden kommen abhängig von Alter, Ausprägung und individueller Situation beispielsweise antiallergisch wirkende Gele mit einem Antihistaminikum oder niedrig dosierte Hydrocortisonpräparate infrage. Welche Behandlung sinnvoll ist, lässt sich in der Apotheke individuell klären.

Auch sogenannte Stichheiler, die die betroffene Stelle kurzzeitig mit Wärme behandeln, werden zunehmend verwendet. Das klingt zunächst widersprüchlich, weil gleichzeitig Kühlung empfohlen wird. Dahinter stehen jedoch unterschiedliche Ansätze zur Linderung des Juckreizes. Entscheidend ist eine sachgerechte Anwendung entsprechend den Herstellerangaben.

Nicht jede starke Reaktion auf einen Mückenstich bedeutet übrigens automatisch eine gefährliche Allergie. Größere lokale Schwellungen können vorkommen. Breitet sich die Reaktion jedoch ungewöhnlich stark aus, treten Atemnot, Kreislaufbeschwerden oder Schwellungen außerhalb der Einstichstelle auf, ist medizinische Hilfe erforderlich.

Ein gewöhnlicher Mückenstich ist meist harmlos. Interessant ist er trotzdem.

Denn das, was wir anschließend manchmal tagelang spüren, hat mit der Mücke selbst kaum noch etwas zu tun.

Sie hat ihren Speichel hinterlassen und ist längst weitergeflogen.

Was danach juckt, ist vor allem die Antwort unseres eigenen Körpers darauf.