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STIMMT DAS WIRKLICH? NASENSPRAY MACHT SÜCHTIG.

Kaum ein Arzneimittel ist von so vielen Missverständnissen umgeben wie das klassische abschwellende Nasenspray. Fragt man Menschen nach ihrer größten Sorge, fällt fast immer derselbe Satz: „Davon wird man süchtig.“ Manche verzichten deshalb selbst bei einer starken Erkältung auf ein Nasenspray. Andere benutzen es wochen- oder sogar monatelang und haben tatsächlich das Gefühl, nicht mehr ohne auszukommen.

Beide Reaktionen zeigen, wie hartnäckig sich dieser Mythos hält. Gleichzeitig machen sie deutlich, warum eine genauere Einordnung notwendig ist.

Die gute Nachricht lautet zunächst: Ein abschwellendes Nasenspray verursacht keine Sucht im klassischen medizinischen Sinn. Es verändert weder das Belohnungssystem des Gehirns noch erzeugt es ein Verlangen, wie wir es beispielsweise von Nikotin oder Alkohol kennen. Dennoch berichten viele Betroffene, dass sie ihr Nasenspray ständig benötigen. Wie passt das zusammen?

Der Schlüssel liegt in der Wirkungsweise des Arzneimittels. Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut zusammenziehen. Die Schleimhaut schwillt ab, die Nase wird frei und das Atmen fällt wieder leicht. Genau das ist die gewünschte Wirkung – allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum.

Wird das Spray jedoch über viele Tage hinweg regelmäßig angewendet, reagiert die Nasenschleimhaut. Nach dem Nachlassen der Wirkung erweitern sich die Blutgefäße erneut, häufig sogar stärker als zuvor. Die Nase fühlt sich wieder verstopft an. Viele Menschen greifen nun automatisch erneut zum Spray. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der den Eindruck vermittelt, ohne das Medikament nicht mehr auskommen zu können.

Medizinisch spricht man hierbei nicht von einer klassischen Abhängigkeit, sondern von einem Gewöhnungseffekt mit Schleimhautschwellung nach Wirkungsende. Die Beschwerden werden also nicht durch eine Suchterkrankung verursacht, sondern durch die Reaktion der Nasenschleimhaut auf die dauerhafte Anwendung.

Genau deshalb empfehlen Fachgesellschaften und Hersteller, abschwellende Nasensprays in der Regel nicht länger als etwa sieben Tage am Stück anzuwenden. In den meisten Fällen reicht dieser Zeitraum aus, um die Beschwerden einer Erkältung zu überbrücken, ohne dass sich die Schleimhaut an den Wirkstoff gewöhnt.

Wer bereits länger auf das Spray angewiesen ist, muss deshalb nicht verzweifeln. Häufig lässt sich die Situation gemeinsam mit Arzt oder Apotheke gut lösen. Je nach Ausprägung kommen unterschiedliche Strategien infrage – beispielsweise das schrittweise Absetzen, die Behandlung mit pflegenden Nasensprays oder in bestimmten Fällen kortisonhaltige Nasensprays bei entsprechender Indikation.

Die eigentliche Botschaft lautet deshalb nicht: „Nasenspray macht süchtig.“

Sondern:

Nasenspray ist ein wirksames und sicheres Arzneimittel – wenn es richtig angewendet wird.

Und genau dabei unterstützt Sie Ihre Apotheke.