Skip to main content

IM MEDIKAMENTENSCHRANK GEFUNDEN – DARF ICH DAS NOCH NEHMEN?

Nicht aufgebraucht bedeutet nicht automatisch unbrauchbar. Aber wann sollte ein Medikament wirklich entsorgt werden?

Es beginnt meist mit einer ganz alltäglichen Situation.

Der Medikamentenschrank soll aufgeräumt werden. Zwischen Pflastern, Fieberthermometer und Nasenspray taucht plötzlich eine fast volle Medikamentenpackung auf. Daneben steht ein Hustensaft vom vergangenen Winter, eine angebrochene Salbe und Augentropfen, die schon seit Monaten im Schrank liegen.

Fast jeder kennt diesen Moment.

Und fast jeder stellt sich dieselbe Frage:

„Kann ich das eigentlich noch nehmen?“

Genau diese Frage gehört zu den häufigsten, die wir in der Apotheke hören. Verständlicherweise, denn niemand möchte funktionierende Medikamente unnötig entsorgen. Gleichzeitig möchte aber auch niemand ein Arzneimittel einnehmen, das möglicherweise nicht mehr sicher oder wirksam ist.

Die Antwort ist deshalb nicht einfach „Ja“ oder „Nein“.

Entscheidend ist zunächst, ob ein Medikament überhaupt geöffnet wurde. Ungeöffnete Arzneimittel können – bei richtiger Lagerung – grundsätzlich bis zum angegebenen Verfallsdatum verwendet werden. Dieses Datum garantiert, dass der Hersteller Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit bis zu diesem Zeitpunkt gewährleisten kann.

Anders sieht es bei vielen Medikamenten aus, sobald sie geöffnet wurden.

Ein gutes Beispiel sind Augentropfen. Nach dem Öffnen können Keime in die Flasche gelangen, obwohl sie äußerlich völlig unauffällig aussieht. Deshalb dürfen viele Augentropfen nur wenige Wochen verwendet werden. Das eigentliche Verfallsdatum auf der Packung spielt dann oft keine Rolle mehr.

Ähnlich verhält es sich bei vielen SäftenTropfen oder flüssigen Arzneimitteln. Auch hier verändern sich nach dem Öffnen die Bedingungen. Manche Präparate sind nur noch wenige Monate haltbar, andere deutlich kürzer.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem Arzneimittel, die gekühlt gelagert werden müssen. Wird die Kühlkette über längere Zeit unterbrochen oder wurde ein Medikament beispielsweise im heißen Auto vergessen, lässt sich häufig nicht mehr sicher beurteilen, ob die Qualität erhalten geblieben ist.

Auch das Aussehen eines Medikaments kann wichtige Hinweise geben. Hat sich eine Tablette verfärbt? Riecht eine Salbe ungewohnt? Haben sich Flüssigkeiten verändert oder Bestandteile voneinander getrennt? Solche Veränderungen sollten immer ernst genommen werden.

Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft Antibiotika.

Bleiben nach einer Behandlung Tabletten übrig, sollten sie keinesfalls für eine spätere Erkrankung aufgehoben werden. Antibiotika müssen gezielt gegen bestimmte bakterielle Infektionen eingesetzt werden und gehören nicht in die Selbstmedikation. Was bei einer früheren Erkrankung geholfen hat, kann bei einer späteren völlig ungeeignet sein.

Gerade deshalb lohnt sich im Zweifel der Weg in die Apotheke.

Wir beurteilen täglich, welche Medikamente weiterhin verwendet werden können und bei welchen Vorsicht geboten ist. Oft genügt bereits ein kurzer Blick auf die Packung oder ein paar Fragen zur Lagerung und zum Öffnungszeitpunkt, um eine sichere Einschätzung zu ermöglichen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft:

Nicht jedes Medikament, das im Schrank liegt, ist automatisch unbrauchbar.

Aber ebenso wenig sollte jedes Medikament selbstverständlich weiterverwendet werden.

Wer unsicher ist, muss diese Entscheidung nicht allein treffen.

Bringen Sie das Arzneimittel einfach mit in Ihre Apotheke. Gemeinsam lässt sich meist schnell klären, ob es noch verwendet werden kann oder ob eine Entsorgung die bessere Entscheidung ist.

Denn bei Medikamenten gilt ein einfacher Grundsatz:

Im Zweifel entscheidet nicht der Blick in den Schrank – sondern die fachliche Beratung.