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WARUM REICHT BEI AUGENTROPFEN EIGENTLICH EIN TROPFEN?

Wenn mehr Arzneimittel nicht automatisch mehr Wirkung bedeutet

Die Flasche wird über das Auge gehalten, ein Tropfen fällt hinein – und sicherheitshalber folgt gleich noch ein zweiter. Vielleicht ist der erste schließlich gar nicht richtig angekommen. Und zwei Tropfen müssten doch eigentlich besser wirken als einer.

Bei Augentropfen ist genau diese Vorstellung in aller Regel falsch.

Der Grund liegt nicht zuerst beim Medikament, sondern bei unserem Auge. Der Bindehautsack kann nur eine begrenzte Flüssigkeitsmenge aufnehmen. Ein handelsüblicher Augentropfen bringt bereits eine Flüssigkeitsmenge mit, die diese Kapazität meist weitgehend ausschöpft oder sogar überschreitet. Wird unmittelbar ein weiterer Tropfen nachgegeben, bleibt deshalb nicht einfach die doppelte Arzneistoffmenge dort, wo sie wirken soll.

Ein Teil der Flüssigkeit läuft über den Lidrand wieder heraus. Ein anderer Teil kann über die ableitenden Tränenwege in Richtung Nase abfließen. Mehr Tropfen bedeuten deshalb normalerweise nicht automatisch eine stärkere Wirkung.

Das erklärt auch eine Situation, die viele kennen: Nach dem Eintropfen läuft Flüssigkeit über die Wange und man fragt sich, ob überhaupt etwas im Auge geblieben ist. Das bedeutet keineswegs zwangsläufig, dass die Anwendung misslungen ist. Häufig handelt es sich schlicht um überschüssige Flüssigkeit.

Entscheidender als ein zweiter Tropfen ist deshalb die richtige Anwendung.

Vor dem Eintropfen sollten die Hände gewaschen werden. Der Kopf wird leicht nach hinten geneigt und das Unterlid vorsichtig nach unten gezogen, sodass eine kleine Tasche entsteht. In diesen Bindehautsack wird der Tropfen gegeben. Dabei sollte die Spitze des Behältnisses weder das Auge noch Wimpern oder Haut berühren, um Verunreinigungen zu vermeiden.

Anschließend kann es sinnvoll sein, das Auge sanft zu schließen. Bei bestimmten Arzneimitteln kann zusätzlich ein vorsichtiger Druck mit dem Finger auf den inneren Augenwinkel beziehungsweise den Bereich des Tränenkanals empfohlen werden. Dadurch lässt sich der Abfluss über die Tränenwege reduzieren. Das kann insbesondere bei Wirkstoffen relevant sein, bei denen eine Aufnahme in den Körper möglichst gering gehalten werden soll.

Auch bei mehreren unterschiedlichen Augentropfen gilt nicht: alles möglichst schnell hintereinander.

Wer verschiedene Präparate anwenden muss, sollte die empfohlenen zeitlichen Abstände beachten. Andernfalls kann der nachfolgende Tropfen einen Teil des zuvor eingebrachten Arzneimittels wieder ausspülen. Bei der Kombination von Augentropfen und Augensalben ist außerdem die richtige Reihenfolge wichtig. In der Regel werden Tropfen vor einer Augensalbe angewendet, sofern Arzt oder Hersteller keine andere Vorgabe machen.

Hinzu kommt ein weiteres Thema, das in der Apotheke regelmäßig für Unsicherheit sorgt: Kontaktlinsen. Nicht jedes Augenpräparat darf zusammen mit eingesetzten Kontaktlinsen verwendet werden. Je nach Wirkstoff und Formulierung müssen die Linsen vor der Anwendung entfernt und dürfen erst nach einer bestimmten Zeit wieder eingesetzt werden. Hier lohnt sich der Blick in die Gebrauchsinformation oder die Nachfrage in der Apotheke.

Und natürlich gibt es Situationen, in denen die Dosierung ausdrücklich anders vorgegeben wird. Maßgeblich sind immer die Angaben für das konkrete Präparat beziehungsweise die ärztliche Verordnung. Aus der allgemeinen Regel „ein Tropfen reicht meistens“ darf deshalb keine pauschale Dosierungsanweisung für jedes Augenarzneimittel werden.

Die interessante Erkenntnis bleibt trotzdem:

Bei Arzneimitteln entscheidet nicht die Menge allein über die Wirkung.

Gerade bei Augentropfen kann ein sauber applizierter Tropfen sinnvoller sein als mehrere Tropfen, die unmittelbar hintereinander ins Auge gegeben werden.

Wer also beim nächsten Mal denkt: „Zur Sicherheit noch einen“ – kann sich an eine einfache Regel erinnern:

Mehr Tropfen bedeuten nicht automatisch mehr Wirkung. Die richtige Anwendung ist wichtiger als die zusätzliche Menge.