WARUM MEDIKAMENTE MANCHMAL NICHT WIRKEN – UND DER FEHLER GAR NICHT AM MEDIKAMENT LIEGT
Man kennt diese Situation. Das Medikament wurde vom Arzt verordnet, in der Apotheke abgeholt und zu Hause gewissenhaft eingenommen. Trotzdem bleibt nach einigen Tagen das Gefühl: „Irgendwie hilft das gar nicht.“
Die erste Vermutung liegt nahe. Vielleicht ist das Medikament zu schwach. Vielleicht wurde die falsche Diagnose gestellt. Oder der Körper spricht einfach nicht darauf an.
Doch erstaunlich häufig liegt die Ursache an einer ganz anderen Stelle.
Nicht das Medikament versagt.
Sondern die Art, wie es eingenommen wird.
Viele Menschen sind überrascht, wie empfindlich manche Arzneimittel auf scheinbar belanglose Gewohnheiten reagieren. Ein Kaffee am Morgen, ein Glas Milch zum Frühstück oder die Einnahme zur falschen Tageszeit können bereits ausreichen, damit ein Wirkstoff schlechter aufgenommen wird oder seine volle Wirkung gar nicht erst entfaltet.
Ein klassisches Beispiel ist L-Thyroxin. Das Schilddrüsenhormon sollte nüchtern und mit ausreichend Wasser eingenommen werden. Wer unmittelbar danach frühstückt oder den ersten Kaffee trinkt, kann die Aufnahme des Wirkstoffes deutlich verschlechtern. Die Folge können anhaltende Beschwerden sein, obwohl die Tablette täglich eingenommen wird.
Auch Eisenpräparate reagieren empfindlich. Kaffee, schwarzer Tee oder Milchprodukte können die Aufnahme erheblich vermindern. Viele Patienten nehmen das Präparat regelmäßig ein und wundern sich dennoch, warum sich ihre Eisenwerte kaum verbessern.
Bei einigen Antibiotika spielt wiederum Calcium eine wichtige Rolle. Milchprodukte oder calciumhaltige Nahrungsergänzungsmittel können mit bestimmten Wirkstoffen schwer lösliche Verbindungen bilden. Das Antibiotikum gelangt dadurch schlechter in den Körper und kann seine Aufgabe nicht vollständig erfüllen.
Selbst Schmerzmittel sind davon betroffen. Manche Wirkstoffe sollten möglichst früh im Verlauf einer Schmerzepisode eingenommen werden, andere besser nach einer Mahlzeit. Auch eine zu geringe Trinkmenge kann die Einnahme erschweren oder unerwünschte Wirkungen begünstigen.
Dabei geht es keineswegs darum, dass Patienten etwas falsch machen. Die meisten dieser Besonderheiten sind schlicht nicht bekannt. Wer täglich mehrere Medikamente einnimmt, kann unmöglich jede einzelne Einnahmeregel auswendig kennen.
Genau deshalb gehört die Beratung in der Apotheke zu den wichtigsten Bestandteilen einer sicheren Arzneimitteltherapie. Oft genügt bereits eine kleine Veränderung des Einnahmezeitpunkts oder des Abstands zu bestimmten Lebensmitteln, damit ein Medikament seine volle Wirkung entfalten kann.
Wer also den Eindruck hat, dass ein Arzneimittel nicht richtig hilft, sollte es nicht vorschnell als unwirksam einstufen oder eigenständig absetzen. Häufig lohnt sich zunächst ein Gespräch mit Arzt oder Apotheke. Manchmal liegt die Lösung nicht in einem neuen Medikament, sondern lediglich in einer besseren Anwendung.
Denn Medikamente können nur dann wirken, wenn sie auch die Chance dazu bekommen.