30 GRAD – UND TROTZDEM ERKÄLTET?
Warum eine Erkältung im Sommer gar nicht so ungewöhnlich ist
Der Koffer ist endlich ausgepackt. Das Hotelzimmer hat genau den Blick aufs Meer, den man sich monatelang vorgestellt hat. Nach den letzten stressigen Wochen fühlt sich der erste Urlaubstag wie eine Befreiung an. Morgens ein ausgedehntes Frühstück, anschließend an den Strand, zwischendurch eine eiskalte Erfrischung und am Abend noch ein Spaziergang an der Promenade.
Doch am nächsten Morgen ist dieses Urlaubsgefühl plötzlich verschwunden.
Der Hals kratzt. Die Nase ist verstopft. Beim Frühstück schmeckt der Kaffee irgendwie anders und im Laufe des Tages kommt das Gefühl hinzu, als hätte man die Nacht mit offenem Fenster im November verbracht.
Die erste Reaktion ist fast immer dieselbe.
„Wie kann das sein? Bei über 30 Grad erkältet man sich doch nicht.“
Tatsächlich ist eine Erkältung im Sommer alles andere als ungewöhnlich. Der Begriff „Sommergrippe“ hat sich zwar im Sprachgebrauch etabliert, medizinisch handelt es sich jedoch meist nicht um eine echte Grippe (Influenza), sondern um eine gewöhnliche Virusinfektion der oberen Atemwege. Die Erreger unterscheiden sich häufig von denen des Winters, die Beschwerden sind jedoch ähnlich: Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, gelegentlich leichtes Fieber und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
Die Hitze selbst macht dabei nicht krank. Im Gegenteil – viele Viren verbreiten sich im Sommer sogar schlechter als in der kalten Jahreszeit. Trotzdem treffen gerade in den Ferien mehrere Faktoren zusammen, die den Körper anfälliger machen können. Klimaanlagen sorgen für große Temperaturunterschiede und trocknen die Schleimhäute aus. Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels oder Kreuzfahrtschiffe bringen viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen auf engem Raum zusammen. Hinzu kommen Schlafmangel vor der Abreise, Reisestress oder lange Autofahrten. Für das Immunsystem ist der Urlaub deshalb häufig weniger Erholung, als wir zunächst vermuten.
In der Apotheke erleben wir diese Situation jedes Jahr aufs Neue. Kaum beginnen die Sommerferien, häufen sich Fragen nach Halsschmerztabletten, Nasensprays oder Mitteln gegen Husten. Viele Betroffene sind überrascht, weil sie eine Erkältung ausschließlich mit Herbst und Winter verbinden. Dabei kennen Viren keinen Kalender. Sie nutzen jede Gelegenheit, wenn unsere natürlichen Schutzmechanismen vorübergehend geschwächt sind.
Die gute Nachricht lautet: Die meisten Sommererkältungen heilen innerhalb weniger Tage von selbst aus. Ausreichend Flüssigkeit, körperliche Schonung und eine gezielte Behandlung der Beschwerden helfen dem Körper, die Infektion zu überwinden. Gegen Halsschmerzen können Lutschtabletten oder entzündungshemmende Präparate sinnvoll sein, bei einer verstopften Nase können abschwellende Nasensprays kurzfristig Erleichterung verschaffen. Welche Arzneimittel im Einzelfall geeignet sind, hängt jedoch immer von der persönlichen Situation ab – insbesondere bei Kindern, Schwangeren oder Menschen mit chronischen Erkrankungen.
Wichtig ist außerdem, die Beschwerden richtig einzuordnen. Hohes oder anhaltendes Fieber, starke Atembeschwerden, Schmerzen im Brustkorb oder ein deutlich verschlechterter Allgemeinzustand sprechen dafür, ärztlichen Rat einzuholen. Auch wenn sich die Symptome nach einigen Tagen nicht bessern oder sogar zunehmen, sollte die Ursache genauer abgeklärt werden.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Sommer und Erkältung schließen sich nicht aus. Wer mitten im Juli mit Halsschmerzen aufwacht, muss sich deshalb nicht wundern. Entscheidend ist, die Beschwerden ernst zu nehmen, dem Körper Zeit zur Erholung zu geben und sich bei Unsicherheiten beraten zu lassen.
Denn manchmal beginnt der beste Urlaub nicht mit dem ersten Tag am Strand – sondern mit der richtigen Entscheidung für die eigene Gesundheit.