Перейти к содержимому

„Er liegt doch nur im Bett.“ – Warum aus fehlender Bewegung gefährliche Wunden entstehen können

Seit seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus verbringt der Vater die meiste Zeit im Bett. Früher war er ständig unterwegs, hat im Garten gearbeitet und selbst kleinere Reparaturen im Haus erledigt. Jetzt fällt ihm schon das Aufstehen schwer. Die Tochter richtet morgens das Frühstück, hilft bei der Körperpflege und achtet darauf, dass er seine Medikamente bekommt. Zwischendurch schaut sie immer wieder nach ihm. Meistens liegt er ruhig da, hört Radio oder schläft ein wenig.

Eigentlich scheint alles gut organisiert zu sein.

Bis sie eines Morgens beim Waschen eine gerötete Stelle am Steißbein entdeckt. Zunächst denkt sie an eine harmlose Hautreizung. Vielleicht hat die Hose gedrückt oder die Haut ist durch das lange Liegen empfindlicher geworden. Sie trägt etwas Creme auf und nimmt sich vor, am nächsten Tag noch einmal nachzusehen.

Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, kann jedoch der Beginn eines ernsthaften Problems sein. Denn wenn ein Mensch über längere Zeit nahezu unbeweglich liegt oder sitzt, können Haut und darunterliegendes Gewebe durch anhaltenden Druck geschädigt werden. Mediziner sprechen dann von einem Dekubitus, im Alltag häufig als Druckgeschwür oder Wundliegen bezeichnet.

Für pflegende Angehörige ist das ein Thema, das besondere Aufmerksamkeit verdient. Nicht weil sie ständig Angst vor einer neuen Komplikation haben sollen, sondern weil sich durch rechtzeitige Maßnahmen viele Druckschäden vermeiden lassen. Entscheidend ist, zu verstehen, warum sie entstehen und weshalb bereits eine scheinbar harmlose Hautveränderung ernst genommen werden sollte.

Warum die Haut das lange Liegen nicht immer verträgt

Unser Körper ist darauf ausgelegt, sich regelmäßig zu bewegen. Selbst im Schlaf verändern gesunde Menschen immer wieder ihre Position, häufig ohne es bewusst wahrzunehmen. Wir drehen uns auf die Seite, strecken ein Bein aus oder verlagern unser Gewicht. Dadurch werden einzelne Körperstellen entlastet.

Bei pflegebedürftigen Menschen funktioniert dieser natürliche Schutzmechanismus möglicherweise nicht mehr ausreichend. Wer nach einem Schlaganfall gelähmt ist, unter starken Schmerzen leidet oder schlicht nicht mehr die Kraft besitzt, sich selbstständig umzudrehen, bleibt unter Umständen lange in derselben Position.

Besonders gefährdet sind Stellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen. Dazu gehören beispielsweise das Steißbein, die Fersen, die Hüften und die Ellenbogen. Wenn das Körpergewicht über längere Zeit auf diese Bereiche drückt, können Blutgefäße zusammengedrückt werden. Das Gewebe wird dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Die Folgen können erheblich sein. Zunächst verändert sich möglicherweise nur die Hautfarbe. Später können tiefere Gewebeschäden und offene Wunden entstehen, deren Behandlung langwierig und belastend ist.

Dabei muss ein Druckgeschwür nicht zwangsläufig mit einer großen, sichtbaren Wunde beginnen. Gerade das macht die Früherkennung so wichtig.

Eine Rötung, die nach der Druckentlastung nicht verschwindet, kann bereits ein Warnzeichen sein. Bei dunkleren Hauttönen sind Farbveränderungen möglicherweise weniger deutlich zu erkennen. Auch ungewöhnliche Wärme, Verhärtungen, Schwellungen oder Schmerzen können auffallen.

Solche Veränderungen sollten zeitnah von einer Pflegefachkraft oder einem Arzt beurteilt werden. Einfach nur eine andere Creme aufzutragen, reicht bei einem möglichen Druckschaden nicht aus.

Bewegung ist manchmal wichtiger als die beste Matratze

Wenn Angehörige zum ersten Mal mit dem Begriff Dekubitus konfrontiert werden, denken sie häufig an spezielle Matratzen oder Lagerungskissen. Solche Hilfsmittel können tatsächlich sehr sinnvoll sein. Sie ersetzen jedoch nicht die wichtigste vorbeugende Maßnahme: Druck muss regelmäßig reduziert und möglichst viel Eigenbewegung erhalten werden.

Das bedeutet nicht, dass ein bettlägeriger Mensch plötzlich wieder laufen können muss. Schon kleine Bewegungen können hilfreich sein. Vielleicht kann sich Ihr Vater mit etwas Unterstützung auf die Seite drehen. Vielleicht gelingt es Ihrer Mutter, im Sessel gelegentlich die Sitzposition zu verändern. Und möglicherweise ist es trotz eingeschränkter Mobilität noch möglich, mehrmals täglich für kurze Zeit aufzustehen.

Welche Bewegungen geeignet sind, hängt selbstverständlich vom Gesundheitszustand ab. Nach Operationen, bei bestimmten Verletzungen oder schweren Erkrankungen können besondere Einschränkungen bestehen. Deshalb sollte die Mobilisation mit den behandelnden Fachkräften abgestimmt werden.

Gerade Angehörige sollten sich zeigen lassen, wie sie einen Menschen sicher bei Lageveränderungen unterstützen können. Denn auch gut gemeinte Hilfe kann problematisch sein. Wird ein Patient beispielsweise über das Bettlaken gezogen, können Reibung und sogenannte Scherkräfte das Gewebe zusätzlich belasten.

Die richtige Technik schützt deshalb nicht nur den Pflegebedürftigen, sondern auch den Rücken der Angehörigen.

Ein professioneller Pflegedienst kann hier wichtige Unterstützung leisten. Er kann das individuelle Risiko einschätzen, geeignete Bewegungs- und Lagerungsmaßnahmen erklären und helfen, einen praktikablen Ablauf für den Alltag zu entwickeln.

Eine starre Regel, nach der jeder Mensch grundsätzlich alle zwei Stunden umgelagert werden muss, wäre dabei zu einfach. Wie häufig eine Lageveränderung notwendig ist, hängt unter anderem von der Beweglichkeit, dem Hautzustand, den vorhandenen Hilfsmitteln und dem individuellen Risiko ab.

Gute Pflege orientiert sich nicht nur an der Uhr, sondern am Menschen.

Die Haut erzählt manchmal mehr als der Patient

Gerade bei Menschen mit Demenz oder eingeschränkter Kommunikation kann es schwierig sein, Beschwerden rechtzeitig zu erkennen. Ein Mensch, der seine Schmerzen nicht mehr eindeutig beschreiben kann, wird möglicherweise unruhig, möchte nicht mehr sitzen oder wehrt sich plötzlich beim Umlagern.

Vielleicht liegt die Ursache nicht in der Demenz oder in einer allgemeinen Verschlechterung seines Zustands. Vielleicht verursacht eine bestimmte Körperstelle Schmerzen.

Deshalb ist die tägliche Körperpflege auch eine Gelegenheit, den Hautzustand aufmerksam wahrzunehmen. Nicht als aufwendige medizinische Untersuchung, sondern als Teil einer sorgfältigen Versorgung.

Sind an den Fersen auffällige Veränderungen zu erkennen? Gibt es am Gesäß gerötete oder empfindliche Stellen? Hat sich die Haut unter einem Verband, einer Orthese oder einem anderen Hilfsmittel verändert?

Auch medizinische Hilfsmittel können Druckstellen verursachen, wenn sie nicht richtig sitzen oder längere Zeit auf dieselbe Körperstelle drücken.

Wichtig ist, auffällige Stellen nicht kräftig zu massieren oder mit ungeeigneten Mitteln zu behandeln. Besteht der Verdacht auf einen Druckschaden, sollte der Bereich entlastet und fachlich beurteilt werden.

Gerade bei bereits geschädigter Haut kann die falsche Behandlung mehr schaden als helfen.

Warum Ernährung und Flüssigkeit ebenfalls eine Rolle spielen

Ein Dekubitus entsteht in erster Linie durch Druck und weitere mechanische Belastungen des Gewebes. Trotzdem beeinflusst der allgemeine Gesundheitszustand, wie widerstandsfähig Haut und Gewebe sind und wie gut entstandene Wunden heilen können.

Hier kommen zwei Themen ins Spiel, über die wir in „Plötzlich Pflege“ bereits ausführlich gesprochen haben: Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel.

Ein Mensch, der über längere Zeit zu wenig Energie und Eiweiß aufnimmt, verliert möglicherweise Gewicht und Muskelmasse. Gleichzeitig können die Voraussetzungen für eine normale Wundheilung beeinträchtigt sein. Auch eine unzureichende Flüssigkeitsversorgung kann problematisch werden.

Deshalb sollte bei einem erhöhten Dekubitusrisiko nicht nur über Lagerung und Hautpflege gesprochen werden. Ebenso wichtig ist die Frage, ob der Betroffene ausreichend und bedarfsgerecht ernährt wird.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder pflegebedürftige Mensch vorsorglich hochkalorische Trinknahrung oder Nahrungsergänzungsmittel benötigt. Besteht der Verdacht auf eine Mangelernährung, sollte die Ernährungssituation gezielt beurteilt und gegebenenfalls therapeutisch begleitet werden.

Eine gute Versorgung berücksichtigt immer das Gesamtbild.

Welche Hilfsmittel wirklich entlasten können

Spätestens wenn ein Mensch große Teile des Tages im Bett oder Rollstuhl verbringt, stellt sich häufig die Frage nach geeigneten Hilfsmitteln. Spezielle druckverteilende Matratzen, Sitzkissen oder Lagerungshilfen können dazu beitragen, gefährdete Körperstellen zu entlasten.

Allerdings eignet sich nicht jedes Produkt für jede Situation.

Eine besonders weiche Unterlage ist nicht automatisch eine gute Dekubitusprophylaxe. Entscheidend ist, wie sich der Druck verteilt, ob der Betroffene noch selbstständig seine Position verändern kann und welche weiteren gesundheitlichen Einschränkungen bestehen.

Auch bei Sitzkissen kommt es auf die individuelle Anpassung an. Ein ungeeignetes Kissen kann die Sitzposition verschlechtern oder an anderen Stellen neue Druckbelastungen verursachen.

Deshalb sollten solche Hilfsmittel möglichst nach einer fachlichen Einschätzung ausgewählt werden. Je nach medizinischer Notwendigkeit und den jeweiligen Voraussetzungen können Kosten von der Kranken- oder Pflegekasse übernommen werden.

Für Angehörige ist es wichtig zu wissen, dass sie solche Entscheidungen nicht allein treffen müssen. Pflegefachkräfte, Ärzte und geeignete Hilfsmittelversorger können gemeinsam beurteilen, welche Unterstützung notwendig ist.

Gerade hier entstehen auch Möglichkeiten, künftig in unserem Blog ausgewählte Hilfsmittel näher vorzustellen. Sinnvoll wären beispielsweise verständliche Vergleiche verschiedener Lagerungshilfen oder Erklärungen, worauf bei einer druckentlastenden Sitzversorgung zu achten ist. Eine mögliche Zusammenarbeit mit Herstellern oder Versorgern sollte dabei transparent gekennzeichnet werden und niemals eine unabhängige fachliche Beurteilung ersetzen.

Denn ein Hilfsmittel ist nur dann eine gute Empfehlung, wenn es zum Menschen passt, der es verwenden soll.

Hautpflege kann unterstützen – aber Druck nicht wegcremen

Auch die tägliche Hautpflege verdient Aufmerksamkeit. Ältere Haut ist häufig trockener und empfindlicher. Hinzu kommen mögliche Belastungen durch Inkontinenz, Schwitzen oder wiederholte Reinigung.

Geeignete Pflegeprodukte können dazu beitragen, trockene Haut geschmeidig zu halten und ihre Schutzfunktion zu unterstützen. Bei Inkontinenz können zusätzlich auf die Situation abgestimmte Reinigungs- und Hautschutzprodukte sinnvoll sein.

Dabei sollte jedoch ein entscheidender Unterschied nicht übersehen werden: Eine Hautpflegecreme kann keinen anhaltenden Druck auf das Gewebe beseitigen.

Wer eine gefährdete Körperstelle ausschließlich eincremt, ohne die Druckbelastung zu verändern, behandelt nicht die eigentliche Ursache.

In unseren Apotheken können wir Angehörige bei der Auswahl geeigneter Hautpflegeprodukte beraten und auf Besonderheiten bei empfindlicher oder vorgeschädigter Haut eingehen. Auch die übrige Arzneimitteltherapie kann relevant sein, etwa wenn Erkrankungen oder Medikamente die Hautbeschaffenheit beziehungsweise die Wundheilung beeinflussen.

Sobald jedoch der Verdacht auf einen Dekubitus oder eine offene Wunde besteht, gehört die Versorgung in fachkundige Hände. Welche Wundauflagen und Behandlungsmaßnahmen geeignet sind, muss anhand des tatsächlichen Wundzustands entschieden werden.

Gerade hier sollte die Apotheke ihre Kompetenz nicht dadurch zeigen, möglichst schnell ein Produkt zu empfehlen, sondern auch dadurch, die Grenzen der Selbstbehandlung klar zu benennen.

Wenn aus einem kleinen Hautproblem eine große Belastung wird

Ein ausgeprägter Dekubitus kann den gesamten Pflegealltag verändern. Schmerzen erschweren die Bewegung, Verbandswechsel werden notwendig und die Wundheilung kann viel Zeit beanspruchen. Gleichzeitig entstehen für Angehörige neue organisatorische Aufgaben.

Vielleicht muss ein Pflegedienst häufiger kommen. Vielleicht wird eine andere Matratze benötigt. Vielleicht kann der Betroffene nicht mehr so lange in seinem Lieblingssessel sitzen wie bisher.

Besonders belastend ist dabei, dass ein Druckgeschwür nicht nur körperliche Folgen hat. Manche Betroffene schämen sich für die Wunde, den Verband oder mögliche Gerüche. Andere empfinden die notwendigen Untersuchungen und Pflegemaßnahmen als unangenehm.

Deshalb sollte auch hier die Würde des Menschen im Mittelpunkt stehen.

Ein Druckgeschwür ist kein Anlass für Vorwürfe. Es kann selbst bei sorgfältiger Versorgung und hohem pflegerischem Aufwand entstehen, insbesondere bei schwer kranken oder stark eingeschränkten Menschen. Umso wichtiger sind eine individuelle Risikoeinschätzung, frühzeitige Vorbeugung und eine fachgerechte Versorgung.

Angehörige sollten deshalb nicht versuchen, jede Verantwortung allein zu übernehmen. Wer einen Menschen mit deutlich eingeschränkter Beweglichkeit zu Hause versorgt, benötigt praktische Anleitung und gegebenenfalls professionelle Unterstützung.

Gute Pflege beginnt, bevor eine Wunde entsteht

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Themas: Bei einem Dekubitus geht es nicht erst um die Behandlung einer Wunde. Es geht vor allem darum, die Voraussetzungen zu erkennen, unter denen eine solche Wunde entstehen könnte.

Wenn Ihr Vater nach einem Krankenhausaufenthalt plötzlich fast nur noch im Bett liegt, sollte deshalb nicht erst auf die erste gerötete Hautstelle gewartet werden. Wenn Ihre Mutter den Rollstuhl kaum noch selbstständig verlassen kann, lohnt sich frühzeitig die Frage nach einer geeigneten Sitzversorgung. Und wenn ein Mensch aufgrund von Schmerzen oder Schwäche seine Position nicht mehr selbst verändern kann, sollte gemeinsam mit Pflegefachkräften über notwendige Entlastungsmaßnahmen gesprochen werden.

Denn Pflege bedeutet nicht nur, auf Probleme zu reagieren.

Sie bedeutet auch, Entwicklungen vorauszusehen, bevor sie den Alltag dauerhaft verändern.

Vielleicht wirkt Ihr Angehöriger zufrieden, wenn er ruhig in seinem Bett liegt. Vielleicht sagt er sogar, dass er sich überhaupt nicht bewegen möchte. Gerade dann lohnt es sich, genauer hinzusehen und zu überlegen, welche kleinen Bewegungen noch möglich sind und welche Unterstützung er benötigt.

Nicht jede Veränderung lässt sich verhindern. Nicht jede Erkrankung lässt sich aufhalten.

Aber manchmal beginnt die Vorbeugung einer schmerzhaften Wunde mit etwas so Einfachem wie einer rechtzeitigen Lageveränderung.

Deshalb sollten Angehörige bei Menschen mit stark eingeschränkter Beweglichkeit eine Frage nicht vergessen:

„Liegt er bequem – oder liegt er schon zu lange in derselben Position?“

Denn zwischen beidem kann ein entscheidender Unterschied bestehen.