WARUM SCHLAFEN HÄNDE NACHTS EIN?
Fast jeder kennt das Gefühl. Mitten in der Nacht wacht man auf und bemerkt, dass eine Hand oder einzelne Finger taub geworden sind. Man bewegt die Hand, schüttelt sie aus oder verändert die Schlafposition. Nach kurzer Zeit verschwindet das unangenehme Kribbeln wieder.
Für viele Menschen ist das eine alltägliche Erfahrung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob dahinter lediglich eine ungünstige Schlafhaltung steckt oder ob solche Beschwerden ein Hinweis auf andere Ursachen sein können.
Tatsächlich gibt es beides.
In vielen Fällen entsteht das Einschlafen der Hand durch Druck auf Nerven oder Blutgefäße. Wer längere Zeit auf einem Arm liegt oder das Handgelenk stark abwinkelt, kann die Versorgung bestimmter Nerven vorübergehend beeinträchtigen. Die Folge sind Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das bekannte Gefühl von „Ameisenlaufen“.
Sobald der Druck nachlässt, normalisiert sich die Funktion wieder.
Interessant wird es jedoch, wenn die Beschwerden regelmäßig auftreten.
Dann lohnt sich ein genauer Blick auf mögliche Ursachen.
Eine häufige Rolle spielt dabei das sogenannte Karpaltunnelsyndrom. Hier wird ein wichtiger Nerv im Bereich des Handgelenks eingeengt. Typischerweise treten Beschwerden nachts oder in den frühen Morgenstunden auf. Viele Betroffene berichten, dass sie ihre Hände ausschütteln müssen, um die Symptome zu lindern.
Auch Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule können Beschwerden in Händen und Fingern auslösen. Werden Nerven im Nackenbereich gereizt oder eingeengt, können Kribbeln und Taubheitsgefühle bis in die Hände ausstrahlen.
Darüber hinaus spielen Stoffwechselerkrankungen eine Rolle. Besonders Diabetes kann langfristig Nerven schädigen und dadurch Empfindungsstörungen verursachen. In manchen Fällen gehören nächtliches Kribbeln oder Taubheitsgefühle sogar zu den ersten wahrnehmbaren Hinweisen.
Auch Schilddrüsenerkrankungen, Vitaminmängel oder Flüssigkeitseinlagerungen können Einfluss auf Nervenfunktionen haben.
In der Apotheke erleben wir regelmäßig, dass Menschen solche Beschwerden über Monate oder sogar Jahre als normale Alterserscheinung betrachten. Oft werden sie erst dann ernst genommen, wenn der Schlaf leidet oder die Beschwerden tagsüber auftreten.
Dabei lohnt es sich, Veränderungen aufmerksam zu beobachten. Nicht jedes Kribbeln bedeutet automatisch eine Erkrankung. Wiederkehrende Beschwerden sollten jedoch nicht dauerhaft ignoriert werden.
Der Körper sendet häufig früh Hinweise, bevor größere Probleme entstehen. Genau deshalb kann ein scheinbar harmloses nächtliches Kribbeln manchmal wertvolle Informationen liefern.
Die gute Nachricht lautet: Viele Ursachen lassen sich gut behandeln oder zumindest beeinflussen. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Beschwerden wahrnimmt und richtig einordnet.