Magnesiummangel durch Magensäureblocker
Kurzdefinition Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol und Omeprazol gehören zu den häufig verordneten Arzneimitteln. Sie reduzieren die Bildung von Magensäure und werden unter anderem bei Refluxbeschwerden und Magengeschwüren eingesetzt. Bei langfristiger Einnahme können sie jedoch in seltenen Fällen die Aufnahme von Magnesium beeinträchtigen und dadurch einen Magnesiummangel verursachen.
Was passiert bei einem Mangel im Körper? Magnesium wird für zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt und spielt insbesondere für die normale Funktion von Muskeln, Nerven und Herz eine wichtige Rolle. Protonenpumpenhemmer können die Magnesiumaufnahme im Darm vermindern. Dadurch kann der Magnesiumspiegel im Blut bei manchen Patienten über längere Zeit absinken.
Ein ausgeprägter Mangel kann die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln verändern und im schlimmsten Fall gefährliche Herzrhythmusstörungen begünstigen.
Typische Mangelerscheinungen – Muskelkrämpfe – Muskelzuckungen – Müdigkeit und Erschöpfung – Muskelschwäche– Kribbeln oder Taubheitsgefühle – Schwindel – Herzklopfen oder Herzrhythmusstörungen – bei schwerem Mangel Krampfanfälle
Wer besonders gefährdet ist – Menschen, die Protonenpumpenhemmer über viele Monate oder Jahre einnehmen – ältere Patienten – Personen, die gleichzeitig bestimmte entwässernde Medikamente einnehmen – Menschen mit chronischen Durchfällen – Patienten mit bereits bestehendem Magnesiummangel – Personen mit zusätzlichen Erkrankungen, die den Magnesiumhaushalt beeinflussen
Referenzwerte / Richtwerte Für Erwachsene liegt die empfohlene Magnesiumzufuhr je nach Geschlecht bei etwa 300 bis 350 Milligramm pro Tag.
Ein normaler Magnesiumwert im Blut liegt laborabhängig ungefähr zwischen 0,7 und 1,0 mmol/l. Niedrige Werte können auf einen Mangel hinweisen. Allerdings befindet sich nur ein kleiner Teil des gesamten Körpermagnesiums im Blut, weshalb die Beurteilung immer im Zusammenhang mit Beschwerden und weiteren Befunden erfolgen sollte.
Ernährung bei Magnesiummangel Gute Magnesiumquellen sind:
– Vollkornprodukte – Haferflocken – Mandeln und andere Nüsse – Kürbis- und Sonnenblumenkerne – Hülsenfrüchte – grünes Blattgemüse – magnesiumreiches Mineralwasser
Bei einem ausgeprägten, medikamentenbedingten Magnesiummangel reicht eine magnesiumreiche Ernährung allein möglicherweise nicht aus. Dann kann eine gezielte Behandlung notwendig werden.
Grenzen, Risiken und Irrtümer Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass Magensäureblocker grundsätzlich harmlos seien, weil viele Präparate auch ohne Rezept erhältlich sind. Tatsächlich sind Protonenpumpenhemmer bei richtiger Anwendung wirksame und wichtige Arzneimittel. Eine langfristige Einnahme sollte jedoch eine nachvollziehbare medizinische Begründung haben.
Nicht jeder Muskelkrampf bedeutet automatisch einen Magnesiummangel. Ebenso entwickelt längst nicht jeder Patient unter Pantoprazol oder Omeprazol eine Unterversorgung.
Wichtig ist außerdem, dass ein schwerer, durch Protonenpumpenhemmer verursachter Magnesiummangel manchmal nicht allein durch die Einnahme von Magnesiumpräparaten behoben werden kann. In solchen Fällen muss ärztlich geprüft werden, ob die Behandlung angepasst werden sollte.
Apotheker-Einordnung Pantoprazol und Omeprazol sind gute Beispiele dafür, warum auch bewährte Arzneimittel bei langfristiger Anwendung regelmäßig überprüft werden sollten. Ein Magnesiummangel ist zwar eine seltene Nebenwirkung, kann aber ernsthafte Folgen haben.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn Patienten zusätzlich entwässernde Medikamente einnehmen oder neu auftretende Muskelkrämpfe, ausgeprägte Schwäche oder Herzrhythmusstörungen bemerken.
Die Apotheke kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie mögliche Wechselwirkungen und Risikofaktoren erkennt, die Dauer der Einnahme hinterfragt und gegebenenfalls eine ärztliche Kontrolle empfiehlt. Entscheidend ist nicht, Magensäureblocker grundsätzlich zu vermeiden, sondern sie so lange und in der Dosierung einzusetzen, wie sie tatsächlich benötigt werden.