VITAMIN-B7-MANGEL
Kurzdefinition
Vitamin B7 ist besser unter dem Namen Biotin bekannt und gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Es wird für verschiedene Stoffwechselprozesse benötigt und spielt unter anderem beim Abbau und der Verwertung von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen eine Rolle.
Was passiert bei einem Mangel im Körper?
Ein echter Biotinmangel ist selten, da das Vitamin in zahlreichen Lebensmitteln vorkommt. Entwickelt sich dennoch eine ausgeprägte Unterversorgung, können insbesondere Haut, Haare und Nervensystem betroffen sein.
Typische Mangelerscheinungen
– Haarausfall
– Hautveränderungen und Hautausschläge
– Entzündungen im Bereich von Mund, Nase und Augen
– Müdigkeit und Erschöpfung
– Muskelschmerzen
– Kribbeln oder Missempfindungen
– depressive Verstimmungen
– bei schwerem Mangel neurologische Beschwerden
Wer besonders gefährdet ist
– Menschen mit ausgeprägter Mangelernährung
– Personen mit bestimmten seltenen erblichen Stoffwechselstörungen
– Menschen mit chronischen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
– Personen, die über längere Zeit sehr große Mengen rohes Eiweiß verzehren
– Menschen mit längerfristiger künstlicher Ernährung ohne ausreichende Biotinzufuhr
Referenzwerte / Richtwerte
Für Erwachsene gilt eine tägliche Zufuhr von ungefähr 40 Mikrogramm Biotin als angemessen.
Bei einer abwechslungsreichen Ernährung lässt sich diese Menge normalerweise problemlos erreichen.
Ernährung bei Vitamin-B7-Mangel
Gute Biotinquellen sind:
– Eier, insbesondere Eigelb
– Nüsse und Samen
– Haferflocken
– Hülsenfrüchte
– Leber
– Pilze
– bestimmte Gemüsesorten
Eine Besonderheit ist rohes Hühnereiweiß: Es enthält Avidin, ein Protein, das Biotin bindet und dessen Aufnahme vermindern kann. Durch Erhitzen wird Avidin weitgehend inaktiviert.
Grenzen, Risiken und Irrtümer
Biotin wird häufig als „Schönheitsvitamin“ für kräftige Haare und feste Nägel beworben. Ein Biotinmangel kann tatsächlich Haarausfall und Hautveränderungen verursachen. Daraus folgt aber nicht, dass zusätzliches Biotin bei Menschen ohne Mangel automatisch Haare und Nägel verbessert.
Besonders wichtig ist ein anderer Punkt: Hoch dosiertes Biotin kann verschiedene Laboruntersuchungen verfälschen. Betroffen sein können beispielsweise bestimmte Schilddrüsenwerte und – je nach verwendetem Testverfahren – auch Untersuchungen bei Verdacht auf einen Herzinfarkt.
Apotheker-Einordnung
Kaum ein Vitamin zeigt das Problem moderner Nahrungsergänzung so deutlich wie Biotin: Aus einer tatsächlichen biologischen Funktion wird schnell das Versprechen „schönere Haare und Nägel“. Bei einem echten Mangel ist die Zufuhr selbstverständlich sinnvoll. Ohne nachgewiesene Unterversorgung ist der Nutzen hoch dosierter Präparate dagegen keineswegs selbstverständlich. Besonders vor Blutuntersuchungen sollte deshalb immer angegeben werden, wenn Biotinpräparate eingenommen werden.