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VITAMIN-B1-MANGEL

Kurzdefinition
Vitamin B1 – auch Thiamin genannt – gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Es wird vor allem für den Energiestoffwechsel sowie für die normale Funktion von Nerven und Herz benötigt. Da der Körper nur geringe Mengen speichern kann, ist eine regelmäßige Zufuhr über die Nahrung wichtig.

Was passiert bei einem Mangel im Körper?
Fehlt Vitamin B1, können insbesondere Nervenzellen Kohlenhydrate nicht mehr ausreichend zur Energiegewinnung nutzen. Ein leichter Mangel kann zunächst eher unspezifische Beschwerden verursachen. Bei einem ausgeprägten Mangel können dagegen schwere neurologische und kardiovaskuläre Störungen auftreten.

Typische Mangelerscheinungen
– Müdigkeit und Erschöpfung
– Konzentrationsprobleme
– Reizbarkeit
– Appetitlosigkeit
– Muskelschwäche
– Kribbeln oder Taubheitsgefühle
– Gangunsicherheit
– bei schwerem Mangel Verwirrtheit oder Herzprobleme

Wer besonders gefährdet ist
– Menschen mit chronisch hohem Alkoholkonsum
– Personen mit ausgeprägter Mangelernährung
– Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen
– Personen nach bestimmten Operationen am Magen oder Darm
– Menschen mit länger anhaltendem Erbrechen
– ältere Menschen mit sehr einseitiger Ernährung

Referenzwerte / Richtwerte
Der tägliche Bedarf hängt unter anderem von Alter, Geschlecht und Energiezufuhr ab. Für Erwachsene liegt die empfohlene Zufuhr ungefähr zwischen 1,0 und 1,3 Milligramm Vitamin B1 pro Tag.

Da der Körper nur begrenzte Vorräte besitzt, kann sich bei stark eingeschränkter Zufuhr vergleichsweise schnell ein Mangel entwickeln.

Ernährung bei Vitamin-B1-Mangel
Besonders gute Vitamin-B1-Quellen sind:

– Vollkornprodukte
– Haferflocken
– Hülsenfrüchte
– Schweinefleisch
– Nüsse und Samen
– Kartoffeln

Vitamin B1 ist empfindlich gegenüber Hitze und kann außerdem beim Kochen teilweise in das Kochwasser übergehen.

Grenzen, Risiken und Irrtümer
Nicht jede Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Nervosität bedeutet automatisch einen Vitamin-B1-Mangel. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist ein ausgeprägter Mangel in Deutschland eher selten.

Ein häufiger Irrtum:
B-Vitamine werden häufig pauschal als „Energie-Vitamine“ beworben. Vitamin B1 ist tatsächlich am Energiestoffwechsel beteiligt – eine zusätzliche Einnahme macht einen ausreichend versorgten Menschen jedoch nicht automatisch leistungsfähiger oder energiegeladener.

Apotheker-Einordnung
Vitamin B1 zeigt sehr gut, wie unterschiedlich die Bedeutung eines Mangels je nach Lebenssituation sein kann. Für die meisten gesunden Menschen lässt sich der Bedarf problemlos über die Ernährung decken. Bei ausgeprägter Mangelernährung, bestimmten Erkrankungen oder insbesondere chronisch hohem Alkoholkonsum kann ein Thiaminmangel dagegen ernst werden. Neurologische Auffälligkeiten, Verwirrtheit oder deutliche Gangstörungen gehören deshalb nicht in die Selbstmedikation, sondern müssen ärztlich abgeklärt werden.