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Starke Regelschmerzen – wirklich normal?

Der Termin wird vorsichtshalber nicht auf diesen Tag gelegt. In der Handtasche liegen Schmerztabletten, zu Hause wartet die Wärmflasche und im Kalender lässt sich ziemlich genau vorhersagen, wann es wieder schwierig werden könnte. Für manche Frauen ist die Menstruation nicht einfach ein paar Tage im Monat, sondern etwas, um das herum sie ihren Alltag organisieren. Trotzdem fällt häufig ein Satz, der erstaunlich endgültig klingt: „Das ist bei mir eben so.“

Vielleicht ist genau dieser Satz das Problem. Regelschmerzen sind häufig. Aber häufig bedeutet nicht automatisch, dass starke Schmerzen einfach hingenommen werden müssen.

Beschwerden während der Menstruation können durchaus auftreten. Die Gebärmutter zieht sich zusammen, um die Schleimhaut abzustoßen. Dabei spielen unter anderem Prostaglandine eine wichtige Rolle. Sie fördern die Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur und sind an Schmerz- und Entzündungsprozessen beteiligt. Das erklärt auch, warum Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen bei Regelschmerzen eingesetzt werden: Sie greifen in die Bildung dieser Prostaglandine ein und können dadurch die Beschwerden lindern.

Bis hierhin klingt alles ziemlich logisch. Schmerzen entstehen, ein Schmerzmittel hilft – Problem gelöst.

Aber was ist, wenn dieses Problem jeden Monat wiederkommt? Wenn ohne Schmerzmittel der Arbeitstag kaum zu schaffen ist? Wenn Sport, Verabredungen oder Reisen nach dem Zyklus geplant werden? Wenn die ersten Stunden oder sogar Tage der Menstruation regelmäßig bedeuten, dass normales Leben kaum möglich ist?

Dann verändert sich die entscheidende Frage. Es geht nicht mehr ausschließlich darum, was gegen die Schmerzen hilft, sondern auch darum, warum die Schmerzen so stark sind.

Apothekerin Arlett Düker erlebt genau diese Selbstverständlichkeit immer wieder: Frauen wissen häufig sehr genau, welches Schmerzmittel sie benötigen und wann sie es einnehmen müssen. Das kann eine vernünftige und bewährte Selbstmedikation sein. Trotzdem sollte irgendwann auffallen, wenn das Arzneimittel Monat für Monat fest zum Zyklus gehört. „Wenn Schmerzmittel jeden Monat fest eingeplant sind, sollten wir nicht nur über das Schmerzmittel sprechen, sondern auch über die Ursache.“

Wenn „Das gehört eben dazu“ zu wenig ist

Starke Regelschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Eine davon ist Endometriose. Dabei findet sich endometrioseähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen und ebenso unterschiedliche Beschwerden verursachen. Starke Schmerzen während der Menstruation können dazugehören, ebenso Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder Wasserlassen, chronische Unterbauchbeschwerden oder Schwierigkeiten, schwanger zu werden.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass hinter starken Regelschmerzen automatisch Endometriose steckt. Und es wäre ebenso falsch, anhand einzelner Symptome selbst eine Diagnose zu stellen. Entscheidend ist etwas anderes: Starke Regelschmerzen verdienen Aufmerksamkeit.

Das gilt besonders dann, wenn die Beschwerden den Alltag erheblich beeinträchtigen, im Laufe der Zeit stärker werden oder nach Jahren mit relativ unauffälligen Menstruationen neu auftreten. Auch ungewöhnlich starke Blutungen oder weitere Beschwerden können Anlass sein, ärztlich genauer hinzusehen.

Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden kann ein Zyklus- oder Schmerztagebuch erstaunlich hilfreich sein. Nicht als Lifestyle-Spielerei, sondern als Informationsquelle: Wann beginnen die Schmerzen? Wie lange dauern sie? Wie stark sind sie? Gibt es Beschwerden beim Toilettengang oder beim Geschlechtsverkehr? Wie stark ist die Blutung? Welche Medikamente werden benötigt und wie gut wirken sie?

Aus dem Satz „Meine Periode tut immer wahnsinnig weh“ wird dadurch ein wesentlich genaueres Bild, mit dem sich auch im ärztlichen Gespräch besser arbeiten lässt.

Schmerzmittel helfen – aber sie beantworten nicht jede Frage

Auch die medikamentöse Behandlung verdient einen differenzierten Blick. Ibuprofen, Naproxen und andere NSAR können bei Regelschmerzen wirksam sein. Aber aus einer bewährten Einnahme sollte keine völlig gedankenlose Routine werden. Dosierung, Einnahmedauer, Vorerkrankungen und andere Arzneimittel können eine Rolle spielen. Nicht jedes Schmerzmittel passt zu jeder Frau und nicht jede vermeintlich stärkere Dosierung bringt automatisch einen entsprechend größeren Nutzen.

Genau hier hat auch die Apotheke eine wichtige Funktion. Nicht als Ersatz für die gynäkologische Abklärung, sondern als niedrigschwelliger Ort, an dem auffallen kann, dass aus einer gelegentlichen Selbstmedikation längst ein monatliches Ritual geworden ist.

Das Gespräch kann deshalb mit einer scheinbar einfachen Frage beginnen: „Was kann ich gegen meine Regelschmerzen nehmen?“ Und manchmal endet es mit einer wesentlich wichtigeren: „Sollte ich eigentlich einmal untersuchen lassen, warum ich solche Schmerzen habe?“

Beides gehört zusammen. Frauen mit Regelschmerzen muss nicht das Schmerzmittel ausgeredet werden. Ebenso wenig sollte eine wirksame Behandlung gegen eine Ursachenklärung ausgespielt werden. Wer Schmerzen hat, darf sie behandeln. Wer regelmäßig starke Schmerzen hat, sollte aber gleichzeitig wissen, dass er sie nicht einfach als unvermeidbaren Bestandteil des Frauseins akzeptieren muss.

Wie viel Schmerz ist eigentlich noch normal?

Vielleicht müssen wir deshalb auch sprachlich etwas ändern. Über Menstruationsbeschwerden wird häufig gesprochen, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: entweder völlig beschwerdefrei oder krank. Dazwischen liegt jedoch ein großes Spektrum.

Die entscheidende Grenze lässt sich nicht allein auf einer Schmerzskala festlegen. Wichtig ist auch, was die Beschwerden mit dem Leben machen. Muss regelmäßig die Arbeit unterbrochen werden? Fallen Schule oder Studium aus? Werden Verabredungen abgesagt? Ist Schlaf kaum möglich? Werden Freizeit und Reisen nach dem Zyklus geplant? Werden Monat für Monat Schmerzmittel benötigt, damit ein normaler Alltag überhaupt funktioniert?

Dann ist die Beeinträchtigung selbst bereits eine wichtige medizinische Information.

Frauengesundheit bedeutet deshalb nicht nur, über Vorsorge, Hormone, Schwangerschaft oder Wechseljahre zu sprechen. Sie bedeutet auch, Beschwerden ernst zu nehmen, die lange Zeit mit einem Schulterzucken beantwortet wurden.

„Das haben viele Frauen“ kann stimmen.

„Deshalb müssen Sie damit leben“ folgt daraus nicht.

Und vielleicht ist genau das die Botschaft, die stärker hängen bleiben sollte als jede Liste möglicher Ursachen: Eine Periode darf unangenehm sein. Sie sollte aber nicht selbstverständlich jeden Monat das Leben übernehmen.

Wenn die Schmerztabletten schon bereitliegen, bevor die Menstruation überhaupt begonnen hat, kann die richtige Frage deshalb irgendwann nicht mehr nur lauten: „Welche nehme ich diesmal?“

Sondern:

„Warum brauche ich sie eigentlich jeden Monat?“