NASENSPRAY RICHTIG ANWENDEN – WARUM KRÄFTIGES HOCHZIEHEN NICHT BESSER WIRKT
Die Nase ist dicht, das Atmen mühsam. Also Nasenspray hinein, kräftig hochziehen – am besten so, dass man richtig merkt, wie es „nach hinten geht“. Schließlich soll der Wirkstoff möglichst tief in die Nase gelangen.
Genau diese Vorstellung kann zu einer falschen Anwendung führen.
Denn Nasenspray soll nicht möglichst schnell durch die Nase in Richtung Rachen befördert werden. Der Wirkstoff soll dort ankommen, wo er wirken soll: auf der Nasenschleimhaut.
Das klingt selbstverständlich. Trotzdem gehört die Anwendung von Nasensprays zu den Dingen, die viele Menschen irgendwann einmal intuitiv gelernt haben – und anschließend jahrelang genauso machen.
Sprühkopf hinein. Drücken. Kräftig einziehen.
Dass dabei ein Teil des Sprays im Rachen landet und anschließend sogar geschluckt wird, wird häufig als Zeichen interpretiert, dass man alles richtig gemacht hat.
Dabei kann gerade das Gegenteil der Fall sein.
Nasenspray muss nicht „möglichst weit hinein“
Unsere Nase ist kein gerades Rohr. Die Nasenhöhle besitzt eine komplexe Anatomie mit Schleimhaut, Nasenmuscheln und einer stark durchbluteten Oberfläche. Je nach Präparat soll sich der Wirkstoff auf bestimmten Bereichen dieser Schleimhaut verteilen.
Wer beim Sprühen sehr kräftig durch die Nase einatmet, kann dazu beitragen, dass ein Teil der Flüssigkeit rasch nach hinten in den Nasenrachenraum transportiert wird.
Der typische bittere Geschmack kurz nach der Anwendung ist deshalb nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal.
Apothekerin Arlett Düker: „Viele glauben, ein Nasenspray wirke umso besser, je stärker sie es hochziehen. Dabei möchten wir den Wirkstoff normalerweise auf der Nasenschleimhaut haben – und nicht möglichst schnell im Rachen.“
Wie genau ein Nasenspray angewendet werden soll, hängt allerdings auch vom jeweiligen Präparat ab. Die Gebrauchsinformation bleibt deshalb entscheidend. Ein abschwellendes Nasenspray ist nicht automatisch genauso anzuwenden wie jedes kortisonhaltige Allergiespray oder andere nasale Arzneimittel.
Es gibt jedoch einige Grundprinzipien, die erstaunlich häufig unbekannt sind.
Auch die Richtung des Sprühstoßes ist wichtig
Viele führen den Sprühkopf gerade nach oben ein oder richten ihn eher zur Mitte der Nase.
Dabei liegt dort die Nasenscheidewand.
Insbesondere bei verschiedenen Nasensprays empfiehlt sich eine Sprührichtung eher von der Nasenscheidewand weg und zur äußeren Nasenwand hin. Das kann nicht nur die Verteilung unterstützen, sondern beispielsweise bei kortisonhaltigen Nasensprays auch helfen, lokale Reizungen oder Nasenbluten im Bereich der Nasenscheidewand zu vermeiden.
Eine einfache Orientierung kann dabei helfen: Das Spray in der rechten Nasenöffnung beispielsweise mit der linken Hand und links mit der rechten Hand zu benutzen, erleichtert vielen Menschen automatisch die Richtung nach außen.
Entscheidend ist aber auch hier: Nicht jedes Präparat und jedes Sprühsystem ist identisch. Im Zweifel sollte die konkrete Anwendung erklärt werden.
Und genau darin steckt ein klassisches Apothekenthema.
Denn bei Arzneimitteln entscheidet nicht nur was wir anwenden, sondern häufig auch wie wir es anwenden.
Erst einmal die Nase vorbereiten
Vor der Anwendung kann es sinnvoll sein, die Nase vorsichtig zu schnäuzen, sofern dies möglich ist. Anschließend wird der Sprühkopf entsprechend der Gebrauchsinformation positioniert.
Dann folgt der Punkt, der unserer Intuition widerspricht:
Nicht mit aller Kraft hochziehen.
Bei vielen Nasensprays genügt ein sanftes Einatmen während des Sprühstoßes. Das Ziel ist nicht, einen möglichst starken Luftstrom zu erzeugen, sondern das Arzneimittel sinnvoll in der Nase zu verteilen.
Läuft anschließend ständig ein großer Teil in den Rachen, lohnt es sich deshalb, die eigene Technik zu überprüfen.
Das gilt besonders für Menschen, die ihr Nasenspray regelmäßig verwenden müssen. Eine kleine Anwendungsabweichung, die bei einer einzigen Anwendung kaum auffällt, wiederholt sich sonst möglicherweise hunderte Male.
Ein Sprühstoß ist mehr als nur ein Knopfdruck
Auch das Sprühsystem selbst verdient Aufmerksamkeit.
Bei manchen Präparaten muss die Pumpe vor der ersten Anwendung zunächst vorbereitet werden, bis ein gleichmäßiger Sprühnebel entsteht. Wurde das Spray längere Zeit nicht benutzt, kann je nach Produkt eine erneute Vorbereitung notwendig sein.
Auch die Reinigung des Sprühkopfes sollte nach den Angaben des Herstellers erfolgen. Ein verstopfter oder verschmutzter Applikator kann die Anwendung beeinträchtigen.
Und selbstverständlich sollten Nasensprays aus hygienischen Gründen nicht einfach innerhalb der Familie weitergereicht werden.
All das wirkt im Vergleich zur eigentlichen Arzneimittelwirkung nebensächlich.
Ist es aber nicht.
Ein hervorragend geeigneter Wirkstoff nützt wenig, wenn ein erheblicher Teil davon regelmäßig dort landet, wo er gar nicht wirken soll.
Abschwellendes Spray und Allergiespray sind nicht dasselbe
Besonders wichtig ist die Unterscheidung verschiedener Nasensprays.
Abschwellende Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin können bei einer verstopften Nase kurzfristig sehr hilfreich sein. Sie sollten jedoch nicht einfach über längere Zeit kontinuierlich angewendet werden, weil sich bei längerem Gebrauch ein medikamentös verursachter Dauerschnupfen entwickeln kann.
Kortisonhaltige Nasensprays, wie sie beispielsweise bei allergischer Rhinitis eingesetzt werden, folgen einer anderen therapeutischen Logik. Hier spielt häufig die regelmäßige und korrekte Anwendung eine wesentliche Rolle. Die volle Wirkung muss nicht unmittelbar nach dem ersten Sprühstoß erreicht sein.
Wer also bei einem Allergiespray nach wenigen Minuten denkt „Das bringt nichts“ und deshalb kräftiger sprüht, häufiger anwendet oder besonders stark hochzieht, verbessert die Therapie nicht automatisch.
Gerade hier kann eine kleine Erklärung in der Apotheke mehr bewirken als der Wechsel zum vermeintlich stärkeren Produkt.
Wenn ein Arzneimittel angeblich nicht wirkt
Das Thema Nasenspray zeigt ein grundsätzliches Problem der Selbstmedikation.
Wenn ein Arzneimittel nicht den gewünschten Effekt erzielt, denken wir zunächst an den Wirkstoff.
Vielleicht ist das Präparat zu schwach. Vielleicht brauchen wir etwas anderes. Vielleicht muss die Dosis höher sein.
Doch manchmal liegt das Problem ganz woanders:
Das Arzneimittel wird nicht richtig angewendet.
Das kennen wir auch von Augentropfen, Inhalationssystemen, Cremes oder Zäpfchen. Die richtige Anwendung gehört zur Therapie.
Bei Nasenspray kann deshalb eine einzige Frage überraschend viel verändern:
„Zeigen Sie mir einmal, wie Sie es benutzen.“
Plötzlich wird sichtbar, dass der Kopf weit zurückgelegt wird, der Sprühkopf zur Nasenscheidewand zeigt oder der Sprühstoß mit einem kräftigen Hochziehen verbunden wird.
Das sind keine Zeichen dafür, dass jemand „zu dumm“ für ein Nasenspray wäre.
Sie zeigen vielmehr, wie leicht wir bei vermeintlich einfachen Arzneiformen davon ausgehen, dass ihre Anwendung selbsterklärend sei.
Kleine Technik, große pharmazeutische Bedeutung
Vielleicht ist genau deshalb die richtige Anwendung eines Nasensprays ein gutes Beispiel dafür, was pharmazeutische Beratung leisten kann.
Nicht jede Beratung braucht eine komplizierte Wechselwirkungsprüfung oder ein seltenes Arzneimittelproblem.
Manchmal reicht eine kleine Korrektur.
Sprühkopf richtig positionieren.
Von der Nasenscheidewand weg sprühen.
Sanft einatmen statt kräftig hochziehen.
Und die Anwendungshinweise des konkreten Präparates beachten.
Aus wenigen Sekunden Beratung kann so eine bessere Arzneimittelanwendung werden.
Apothekerin Arlett Düker: „Bei Nasenspray gilt nicht: Je weiter man es hinten schmeckt, desto besser hat es gewirkt. Entscheidend ist, dass das Arzneimittel dort ankommt, wo es wirken soll.“
Vielleicht lohnt deshalb beim nächsten Sprühstoß ein kurzer Gedanke.
Wenn das Spray sofort im Hals landet, hat man es möglicherweise nicht besonders gründlich angewendet.
Sondern einfach nur besonders schnell an seinem eigentlichen Wirkort vorbeibefördert.