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WUNDE OBERSCHENKEL IM SOMMER – WENN JEDER SCHRITT PLÖTZLICH BRENNT

Der Tag ist warm, die kurze Hose sitzt gut, vielleicht steht ein Stadtbummel an, ein Festival oder einfach ein längerer Spaziergang. Zunächst ist alles völlig normal. Irgendwann beginnt es zwischen den Oberschenkeln leicht zu brennen. Man läuft weiter. Eine Stunde später wird jeder Schritt unangenehm und am Abend ist die Haut rot, wund und empfindlich.

Viele kennen das. Nur wenige sprechen darüber.

Wundgeriebene Oberschenkel gehören zu diesen kleinen Sommerproblemen, die erstaunlich belastend sein können. Und sie haben einen hartnäckigen Ruf: Häufig wird angenommen, dass ausschließlich übergewichtige Menschen betroffen seien.

Das stimmt so nicht.

Entscheidend ist zunächst etwas viel Einfacheres: Haut reibt auf Haut – und Feuchtigkeit verstärkt das Problem.

Warum aus Reibung plötzlich eine Entzündung werden kann

Unsere Haut hält einiges aus. Wird dieselbe Stelle jedoch bei jedem Schritt immer wieder mechanisch belastet, kann die oberste Hautbarriere Schaden nehmen.

Im Sommer kommt ein zweiter Faktor hinzu: Schweiß.

Feuchte Haut reagiert empfindlicher auf anhaltende Reibung. Die Haut kann sich röten, brennen und wund werden. In ausgeprägteren Fällen kann sich in Hautfalten eine Intertrigo entwickeln – eine entzündliche Hautveränderung, die durch Wärme, Feuchtigkeit und Reibung begünstigt wird.

Deshalb können auch schlanke Menschen betroffen sein. Die individuelle Anatomie spielt ebenso eine Rolle wie Kleidung, Bewegung und Schweißbildung. Wer beim Laufen, Wandern oder Tanzen ständig Hautkontakt zwischen den Oberschenkeln hat, kann das Problem bekommen – unabhängig von der Zahl auf der Waage.

Gerade deshalb ist es wenig hilfreich, wundgeriebene Oberschenkel ausschließlich als „Gewichtsproblem“ abzutun.

Die beste Behandlung beginnt, bevor es wehtut

Wer weiß, dass die Oberschenkel bei längeren Spaziergängen oder an heißen Tagen aneinanderreiben, kann vorbeugen.

Das Grundprinzip ist erstaunlich simpel:

Reibung vermindern und Feuchtigkeit kontrollieren.

Eine schützende Barriere auf der Haut kann dabei helfen. Klassische fetthaltige Schutzprodukte, beispielsweise auf Vaselinebasis, können die Reibung zwischen den Hautflächen reduzieren. Auch spezielle Anti-Chafing-Produkte verfolgen dieses Prinzip.

Eine weitere Möglichkeit ist Kleidung, die den direkten Hautkontakt verhindert. Eng anliegende, atmungsaktive Shorts unter Kleid oder Rock können insbesondere bei längeren Wegen sehr effektiv sein.

Welche Lösung am besten funktioniert, hängt vom Alltag ab. Wer nur auf dem Weg zur Arbeit Probleme bekommt, braucht möglicherweise etwas anderes als jemand, der bei 30 Grad mehrere Stunden wandert oder auf einem Festival unterwegs ist.

Und was ist mit Antitranspirant?

Hier wird es pharmazeutisch interessant.

Wenn starkes Schwitzen wesentlich zum Problem beiträgt, kann es sinnvoll sein, nicht nur die Reibung, sondern auch die Feuchtigkeit zu reduzieren. Antitranspirantien vermindern die Schweißabgabe und können deshalb in geeigneten Fällen auch außerhalb der Achselregion interessant sein.

Allerdings sollte man mit solchen Produkten auf bereits wunder oder stark gereizter Haut vorsichtig sein. Inhaltsstoffe können dort zusätzlich brennen oder reizen.

Deshalb gilt auch hier: Vorbeugen ist einfacher als behandeln.

Wer seine typischen Problemstellen kennt, sollte nicht erst reagieren, wenn die Haut bereits wund ist.

Wenn es schon passiert ist

Ist die Haut lediglich leicht gerötet und gereizt, sollte zunächst weitere Reibung vermieden werden. Die Stelle sollte vorsichtig gereinigt und anschließend trocken gehalten werden.

Je nach Hautzustand können schützende und hautberuhigende Präparate sinnvoll sein. In der Apotheke lässt sich außerdem unterscheiden, ob es sich wahrscheinlich noch um eine einfache mechanische Reizung handelt oder ob die Hautveränderung genauer angesehen werden sollte.

Denn nicht jede rote Hautfalte ist einfach nur „wundgescheuert“.

Wärme und Feuchtigkeit schaffen Bedingungen, unter denen sich auch Mikroorganismen leichter vermehren können. Bei ausgeprägten, nässenden, stark schmerzhaften oder wiederkehrenden Veränderungen kann deshalb eine ärztliche Abklärung notwendig sein. Das gilt ebenso, wenn sich die betroffene Fläche ausbreitet oder keine Besserung eintritt.

Einfach irgendeine Creme aufzutragen, ist dann nicht unbedingt die beste Lösung.

Warum darüber so wenige sprechen

Vielleicht ist das Interessanteste an diesem Sommerproblem gar nicht die medizinische Erklärung.

Es ist die Tatsache, wie viele Menschen versuchen, es heimlich zu lösen.

Man verändert beim Gehen unbewusst die Haltung. Man zieht die Hose weiter herunter. Man hofft, dass die letzten zwei Kilometer irgendwie noch gehen. Und in der Apotheke wird dann häufig sehr vorsichtig gefragt, ob es „vielleicht etwas gegen gereizte Haut“ gebe.

Dabei gibt es keinen Grund, sich dafür zu schämen.

Wundgeriebene Oberschenkel sind zunächst ein mechanisches Problem. Zwei Hautflächen bewegen sich gegeneinander, Schweiß kommt hinzu und irgendwann meldet sich die Hautbarriere.

Das kann die 25-jährige Festivalbesucherin genauso treffen wie den 40-jährigen Jogger oder den 70-jährigen Urlauber.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft:

Wunde Oberschenkel sind kein Körperurteil. Sie sind Physik auf der Haut.

Wer das Prinzip versteht, kann meist schon viel tun, bevor aus einem heißen Sommertag bei jedem einzelnen Schritt ein brennender wird.