WARUM WASSER FAST IMMER DIE BESTE WAHL ZU MEDIKAMENTEN IST
Die meisten Menschen machen sich viele Gedanken über ihre Medikamente. Ist die Dosierung richtig? Muss die Tablette morgens oder abends eingenommen werden? Vor oder nach dem Essen? Diese Fragen begegnen uns täglich in der Apotheke.
Eine andere Frage wird dagegen erstaunlich selten gestellt:
Womit nehme ich meine Medikamente eigentlich ein?
Für viele Menschen lautet die Antwort ganz selbstverständlich: mit dem Getränk, das gerade auf dem Tisch steht. Morgens ist das häufig Kaffee, beim Frühstück vielleicht Orangensaft oder Milch und am Abend manchmal sogar ein Glas Wein oder Bier. Dabei kann genau dieses scheinbar unwichtige Detail entscheidend dafür sein, ob ein Medikament zuverlässig wirkt.
Die gute Nachricht lautet zunächst: Für die meisten Arzneimittel gibt es eine einfache Lösung. Leitungswasser oder stilles Mineralwasser sind in den allermeisten Fällen die sicherste Wahl. Wasser beeinflusst weder die Aufnahme noch den Stoffwechsel der meisten Wirkstoffe und sorgt dafür, dass Tabletten problemlos in den Magen gelangen.
Warum spielen andere Getränke dann überhaupt eine Rolle?
Der Grund liegt darin, dass Medikamente empfindlicher sind, als viele Menschen vermuten. Ein Wirkstoff muss zunächst aus der Tablette freigesetzt, anschließend über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und schließlich im Körper verteilt werden. Auf diesem Weg können Inhaltsstoffe von Getränken an verschiedenen Stellen eingreifen.
Ein bekanntes Beispiel ist Milch. Sie enthält größere Mengen Calcium. Dieses Mineral kann sich mit bestimmten Wirkstoffen verbinden und schwer lösliche Verbindungen bilden. Die Folge: Das Medikament wird schlechter aufgenommen und erreicht unter Umständen nicht die gewünschte Wirkung. Besonders bekannt ist dieser Effekt bei einigen Antibiotika sowie bei Schilddrüsenmedikamenten wie L-Thyroxin.
Noch bekannter ist Grapefruitsaft. Er enthält natürliche Stoffe, die ein wichtiges Enzym der Leber und des Darms – CYP3A4 – hemmen können. Dieses Enzym ist für den Abbau zahlreicher Medikamente verantwortlich. Wird es blockiert, gelangen manche Wirkstoffe in deutlich höheren Mengen in den Blutkreislauf als vorgesehen. Dadurch können Wirkung und Nebenwirkungen erheblich zunehmen. Betroffen sind unter anderem bestimmte Cholesterinsenker, Blutdruckmedikamente, Immunsuppressiva und weitere Arzneimittel. Deshalb findet sich der Hinweis auf Grapefruit in vielen Packungsbeilagen.
Auch Kaffee ist nicht immer unproblematisch. Das enthaltene Koffein kann die Wirkung einzelner Medikamente beeinflussen oder bestimmte Nebenwirkungen verstärken. Darüber hinaus kann Kaffee die Aufnahme mancher Wirkstoffe verändern. Zwar betrifft dies längst nicht alle Arzneimittel, dennoch lohnt sich bei Unsicherheiten eine Nachfrage in der Apotheke.
Besondere Vorsicht gilt bei Alkohol. Hier geht es nicht nur um die Belastung der Leber. Alkohol kann die Wirkung zahlreicher Medikamente verändern oder Nebenwirkungen verstärken. Beruhigungsmittel, Schlafmittel, starke Schmerzmittel und manche Antidepressiva sind nur einige Beispiele, bei denen Alkohol erhebliche Risiken mit sich bringen kann.
Interessanterweise erleben wir in der Apotheke immer wieder dieselbe Reaktion, wenn wir Patienten auf diese Zusammenhänge hinweisen. Viele sind überrascht. Nicht, weil sie ihre Medikamente falsch einnehmen wollten. Sondern weil ihnen nie bewusst war, dass das Getränk daneben eine Rolle spielen könnte.
Dabei zeigt dieses Beispiel etwas Grundsätzliches.
Medikamente bestehen nicht nur aus einem Wirkstoff. Ihre Wirkung hängt von vielen kleinen Faktoren ab. Der richtige Einnahmezeitpunkt, die passende Dosierung, die Lagerung und eben auch das Getränk können entscheidend sein.
Deshalb lautet die einfachste und zugleich wichtigste Empfehlung: Wenn keine anderen Hinweise gelten, nehmen Sie Ihre Medikamente mit einem großen Glas Wasser ein.
Es ist eine kleine Gewohnheit.
Aber sie kann einen großen Unterschied machen.