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WARUM WIRKEN MEDIKAMENTE BEI JEDEM MENSCHEN ANDERS?

Viele Menschen kennen diese Situation. Ein Freund berichtet begeistert von einem Medikament, das ihm schnell geholfen hat. Ein Familienmitglied verträgt eine Behandlung problemlos, während man selbst mit Nebenwirkungen zu kämpfen hat. Oder man hört den Satz: „Bei mir wirkt das irgendwie nicht so wie bei anderen.“

Die Überraschung darüber ist verständlich. Schließlich gehen viele Menschen davon aus, dass ein Medikament bei allen Patienten ungefähr die gleiche Wirkung entfalten müsste. Immerhin handelt es sich um denselben Wirkstoff in derselben Dosierung.

Die Realität ist jedoch deutlich komplexer.

Medikamente werden zwar unter kontrollierten Bedingungen entwickelt und geprüft, dennoch trifft jede Arzneitherapie am Ende auf einen individuellen Menschen. Und genau dort beginnen die Unterschiede.

Der menschliche Körper ist kein standardisiertes System. Alter, Gewicht, Stoffwechsel, Ernährung, genetische Veranlagung und viele weitere Faktoren beeinflussen die Wirkung von Arzneimitteln. Selbst Menschen mit derselben Erkrankung können auf dieselbe Therapie unterschiedlich reagieren.

Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise das Alter. Mit zunehmenden Lebensjahren verändern sich viele Prozesse im Körper. Die Leber baut Wirkstoffe anders ab, die Nieren arbeiten häufig langsamer und die Zusammensetzung des Körpers verändert sich. Dadurch können Medikamente länger im Körper verbleiben oder anders wirken als bei jüngeren Menschen.

Auch das Körpergewicht spielt eine Rolle. Manche Wirkstoffe verteilen sich anders im Gewebe, andere erreichen unterschiedliche Konzentrationen im Blut. Deshalb werden bestimmte Medikamente individuell dosiert.

Besonders spannend sind genetische Unterschiede. Die moderne Forschung zeigt immer deutlicher, dass Menschen Wirkstoffe unterschiedlich verstoffwechseln können. Während ein Patient ein Medikament schnell abbaut, verarbeitet ein anderer denselben Wirkstoff deutlich langsamer. Die Folge können Unterschiede in Wirkung und Verträglichkeit sein.

Hinzu kommen Wechselwirkungen. Viele Menschen nehmen heute mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Bereits dadurch kann sich die Wirkung einzelner Arzneimittel verändern. Auch Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Präparate oder bestimmte Lebensmittel können Einfluss nehmen.

Ein bekanntes Beispiel ist die Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten. Bereits Kaffee, Milchprodukte oder bestimmte Mineralstoffe können die Aufnahme beeinflussen. Das Medikament ist dadurch nicht schlechter geworden – die Rahmenbedingungen haben sich verändert.

In der Apotheke erleben wir deshalb regelmäßig Situationen, in denen Patienten unterschiedliche Erfahrungen mit derselben Therapie machen. Oft entsteht dann der Eindruck, das Medikament habe versagt. Tatsächlich zeigt sich häufig etwas anderes: Das Medikament wirkt. Es wirkt nur bei diesem Menschen anders als bei einem anderen.

Genau deshalb ist die individuelle Beratung so wichtig. Die moderne Medizin behandelt keine Durchschnittswerte. Sie behandelt einzelne Menschen mit ihren persönlichen Voraussetzungen.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis überhaupt. Medikamente sind standardisiert. Menschen sind es nicht.

Und genau deshalb kann dieselbe Therapie bei zwei Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.