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WARUM WIRD VIELEN MENSCHEN BEIM SCHNELLEN AUFSTEHEN SCHWARZ VOR AUGEN?

Fast jeder kennt diesen Moment. Man sitzt längere Zeit auf dem Sofa, steht schnell auf und plötzlich scheint der Körper für einen kurzen Augenblick nicht mehr richtig mitzumachen. Die Umgebung wird dunkel, es flimmert vor den Augen, der Kreislauf fühlt sich instabil an und manche Menschen müssen sich sogar kurz festhalten.

Für viele ist das ein unangenehmes Erlebnis. Manche erschrecken sich, andere machen sich Sorgen um Herz oder Kreislauf. Tatsächlich steckt hinter diesen Beschwerden jedoch häufig ein Vorgang, der zunächst einmal ganz normal ist.

Der menschliche Körper muss bei jedem Lagewechsel erstaunliche Anpassungsleistungen erbringen. Solange wir liegen oder sitzen, verteilt sich das Blut relativ gleichmäßig. Beim Aufstehen verändert sich die Situation schlagartig. Durch die Schwerkraft versackt ein Teil des Blutes kurzfristig in den Beinen. Dadurch steht für wenige Sekunden weniger Blut für die Versorgung des Gehirns zur Verfügung.

Normalerweise erkennt der Körper diese Veränderung sofort. Blutgefäße ziehen sich zusammen, die Herzfrequenz steigt leicht an und der Kreislauf stabilisiert sich innerhalb kürzester Zeit.

Manchmal läuft diese Anpassung jedoch etwas langsamer ab.

Die Folge sind typische Beschwerden wie Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Benommenheit oder das Gefühl, kurz wegzusacken. Mediziner sprechen dabei von einer orthostatischen Kreislaufreaktion oder orthostatischen Dysregulation.

Wichtig ist zunächst: In den meisten Fällen handelt es sich nicht um eine gefährliche Erkrankung.

Besonders junge, schlanke Menschen mit eher niedrigem Blutdruck erleben solche Situationen häufig. Aber auch ältere Menschen können betroffen sein. Mit zunehmendem Alter reagieren Blutgefäße oft etwas träger, wodurch die Anpassung des Kreislaufs mehr Zeit benötigt.

Gerade in den Sommermonaten fällt das Problem vielen Menschen verstärkt auf. Hohe Temperaturen erweitern die Blutgefäße und erschweren dem Körper die Regulation zusätzlich. Gleichzeitig verlieren wir mehr Flüssigkeit durch Schwitzen. Bereits ein leichter Flüssigkeitsmangel kann dazu führen, dass der Kreislauf empfindlicher reagiert.

In der Apotheke hören wir solche Schilderungen besonders häufig während Hitzeperioden. Patienten berichten dann, dass ihnen beim Aufstehen schwindelig wird oder dass sie sich plötzlich ungewöhnlich schwach fühlen. Oft zeigt sich im Gespräch, dass an heißen Tagen schlicht zu wenig getrunken wurde.

Doch nicht nur Flüssigkeit spielt eine Rolle.

Auch Medikamente können Einfluss auf den Kreislauf haben. Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel oder bestimmte Herzmedikamente verändern die Kreislaufregulation bewusst. Das ist häufig gewollt und medizinisch sinnvoll. Gleichzeitig kann dadurch die Anpassung beim Aufstehen manchmal etwas schwieriger werden.

Gerade deshalb lohnt sich bei wiederkehrenden Beschwerden immer ein Blick auf die gesamte Situation. Nicht jedes Problem lässt sich auf eine einzige Ursache zurückführen.

Interessant ist dabei, wie unterschiedlich Menschen solche Kreislaufreaktionen wahrnehmen. Manche erleben lediglich ein kurzes Flimmern. Andere müssen sich festhalten oder setzen sich sofort wieder hin. Die subjektive Wahrnehmung kann stark variieren.

Entscheidend ist deshalb auch die Frage, ob weitere Beschwerden hinzukommen. Wer regelmäßig stürzt, das Bewusstsein verliert, Brustschmerzen entwickelt oder unter ausgeprägten Herzbeschwerden leidet, sollte dies unbedingt ärztlich abklären lassen.

Für die meisten Menschen helfen jedoch bereits einfache Maßnahmen. Langsameres Aufstehen, ausreichendes Trinken und regelmäßige Bewegung unterstützen den Kreislauf dabei, sich besser anzupassen. Auch das Anspannen der Beinmuskulatur vor dem Aufstehen kann hilfreich sein.

Der menschliche Kreislauf ist ein erstaunlich leistungsfähiges System. Dennoch zeigt er manchmal sehr deutlich, dass selbst alltägliche Vorgänge wie das Aufstehen eine komplexe Zusammenarbeit von Herz, Blutgefäßen, Nerven und Muskulatur erfordern.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Wenn uns kurz schwarz vor Augen wird, bedeutet das häufig nicht, dass etwas kaputt ist. Oft erinnert uns der Körper lediglich daran, dass er einen kleinen Moment braucht, um wieder Schritt zu halten.