Migräne verstehen: Warum Schmerzmittel allein oft nicht ausreichen
Migräne gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und betrifft Millionen Menschen – überwiegend Frauen. Trotzdem wird sie im Alltag häufig missverstanden und verharmlost. Viele Betroffene hören noch immer Sätze wie „Das sind doch nur Kopfschmerzen“ oder „Trink mehr Wasser, dann geht das weg“. Tatsächlich handelt es sich bei Migräne um eine komplexe neurologische Erkrankung, bei der Reizverarbeitung im Gehirn, Botenstoffe wie CGRP, hormonelle Schwankungen und individuelle Trigger zusammenwirken.
Eine Migräneattacke entwickelt sich oft schleichend. Bereits Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Kopfschmerz treten sogenannte Vorboten auf: Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, Stimmungsschwankungen, Heißhunger oder ausgeprägte Müdigkeit. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen kommt es zusätzlich zu einer Aura mit Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachproblemen. Der eigentliche Schmerz ist meist pulsierend, einseitig und wird durch Bewegung verstärkt. Begleitend treten häufig Übelkeit, Erbrechen sowie eine ausgeprägte Licht- und Geräuschempfindlichkeit auf.
In der Behandlung zeigt sich immer wieder ein zentrales Problem: Migräne wird häufig ausschließlich symptomatisch behandelt. Viele Betroffene greifen frühzeitig und regelmäßig zu Schmerzmitteln, oft ohne klare Strategie. Kurzfristig kann das Erleichterung bringen, langfristig jedoch zu einer Verschlechterung führen. Wird Akutmedikation zu häufig eingesetzt, kann sich ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entwickeln – ein Teufelskreis aus zunehmenden Schmerzen und steigender Medikamenteneinnahme.
Eine erfolgreiche Migränetherapie besteht daher aus mehreren Bausteinen. Neben einer geeigneten Akutmedikation gehören dazu gegebenenfalls eine vorbeugende Therapie, das Erkennen individueller Auslöser sowie Anpassungen im Alltag. Schlafmangel, Stress, unregelmäßige Mahlzeiten, Flüssigkeitsdefizite, hormonelle Schwankungen oder auch bestimmte Lebensmittel können Attacken begünstigen. Nicht jede Migräne ist gleich – und nicht jede Therapie passt zu jeder Person.
In der Apotheke zeigt sich täglich, wie groß der Informationsbedarf ist. Viele Betroffene wissen nicht, wann Medikamente optimal eingenommen werden sollten, welche Wirkstoffe kombinierbar sind oder ab wann eine ärztliche Abklärung notwendig wird. Auch neue Therapieansätze und moderne Prophylaxemöglichkeiten sind oft wenig bekannt. Hier kann eine fundierte Beratung helfen, Struktur in die Behandlung zu bringen, Übergebrauch zu vermeiden und die Kontrolle über die Erkrankung zurückzugewinnen.
Migräne ist keine Frage von Belastbarkeit oder Willenskraft. Sie ist behandelbar – aber nur dann wirksam, wenn Therapie, Alltag und individuelle Auslöser gemeinsam betrachtet werden.