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Warum nach der Abnehmspritze das Gewicht oft noch schneller wieder steigt – und was das für nachhaltige Strategien bedeutet

Medikamente zur Gewichtsreduktion auf Basis von GLP-1-Agonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid wirken in vielerlei Hinsicht beeindruckend. Sie beeinflussen hormonelle Regelkreise, verzögern die Magenentleerung und reduzieren nachhaltig den Appetit – was in klinischen Studien zu einem relevanten Gewichtsverlust führen kann.

In der Praxis und nach dem Absetzen zeigt sich jedoch ein deutliches Phänomen: Die Gewichtsabnahme ist nur so lange stabil, wie das Medikament wirkt. Eine groß angelegte Analyse von 37 Studien mit über 9 300 teilnehmenden Personen ergab, dass nach Beendigung der Behandlung das Gewicht im Schnitt mit etwa 0,8 kg pro Monat wieder zunahm und das ursprüngliche Gewicht innerhalb von etwa anderthalb bis zwei Jahren erreicht wurde.

Das bedeutet nicht, dass die Medikamente „wirkungs­los“ sind. Während der Anwendung können sie wichtige Motivations- und Umsetzungsimpulse setzen. Problematisch wird es jedoch, wenn sie ohne begleitende Veränderungen in Ernährung, Bewegung und Verhalten eingesetzt werden. Im Vergleich: Menschen, die Gewicht durch Ernährung oder körperliche Aktivität verloren hatten, nahmen im Mittel deutlich langsamer wieder zu.

Eine eigens erbrachte Studie hatte folgende Ergebnisse: Probanten, die über wissenschaftlich fundierte Ernährungskonzepte betreut wurden, konnten ähnliche Ergebnisse erzielen wie die Abnehmspritze, aber deutliche länger im Status verbleiben. Die Erfolge lagen hier bei über 88%. Siehe: www.glyck.de

Zu bedenken ist zudem, dass der Stoffwechsel durch eine medikamentöse Intervention nicht automatisch „umprogrammiert“ wird. Hormonelle, genetische und verhaltensbedingte Faktoren bleiben bestehen. Sobald der externe Einfluss wegfällt, kehrt der Körper häufig zu früheren Mustern zurück.

Gerade in der täglichen Beratung zeigt sich: Nachhaltiger Erfolg braucht mehr als ein Wirkstoff. Es braucht Aufklärung, realistische Ziele, Struktur im Alltag und ein Team aus Fachleuten, die gemeinsam begleiten – von der Diagnose über die Therapie bis zur langfristigen Stabilisierung. Zudem sollte immer klar sein, dass Medikamente wie GLP-1-Agonisten Begleitmaßnahmen sind, nicht die alleinige Lösung.