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Wenn Gesundheitstipps aus Social Media gefährlich werden

Soziale Medien haben den Zugang zu Gesundheitsthemen radikal verändert. Noch nie war es so einfach, Informationen zu Symptomen, Therapien oder vermeintlichen Alternativen zu finden. Gleichzeitig war es noch nie so schwer, fundiertes Wissen von persönlicher Erfahrung oder Marketing zu unterscheiden.

Viele Inhalte entstehen aus subjektiven Erlebnissen. Einzelne Personen berichten, was ihnen geholfen hat – oft ehrlich gemeint, aber ohne medizinischen Kontext. Daraus entstehen Trends, die schnell eine Eigendynamik entwickeln. Was fehlt, ist die Einordnung: Für wen gilt das? In welcher Dosierung? Mit welchen Risiken?

In der Apotheke begegnen uns regelmäßig Menschen, die aufgrund solcher Inhalte Entscheidungen getroffen haben. Medikamente wurden abgesetzt, weil sie „Chemie“ seien. Nahrungsergänzungsmittel werden kombiniert, ohne Wechselwirkungen zu bedenken. Symptome werden selbst interpretiert, statt abgeklärt zu werden. Vermeintliche "doctoren" (Doc...) geben finanziell geprägte Hinweise.  Häufig entsteht dabei Unsicherheit – und nicht selten gesundheitlicher Schaden.

Besonders problematisch ist die Vereinfachung komplexer Zusammenhänge. Der menschliche Körper reagiert individuell. Was bei einer Person kurzfristig Erleichterung bringt, kann bei einer anderen wirkungslos oder sogar gefährlich sein. Faktoren wie Begleiterkrankungen, bestehende Medikation, Leber- und Nierenfunktion oder hormonelle Einflüsse werden in Social-Media-Formaten kaum berücksichtigt.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Begriff „natürlich“. Pflanzliche oder vermeintlich natürliche Substanzen sind nicht automatisch sicher. Auch sie wirken pharmakologisch, können Nebenwirkungen haben und mit Medikamenten interagieren. Ohne Beratung bleibt dieses Risiko oft unsichtbar.

Das Ziel sollte daher nicht sein, Gesundheitstipps grundsätzlich abzulehnen, sondern sie einzuordnen. Fragen wie: Passt das zu mir? Gibt es Risiken? Ist das wissenschaftlich belegt? Genau hier liegt die Stärke der persönlichen Beratung. In der Apotheke können Inhalte aus Social Media aufgegriffen, geprüft und in einen individuellen Zusammenhang gestellt werden.

Gesundheit braucht mehr als Reichweite. Sie braucht Wissen, Erfahrung und Verantwortung. Wer Trends hinterfragt und Entscheidungen nicht allein trifft, schützt sich selbst – und nutzt Informationen sinnvoll statt unkritisch.