Welche Supplement-Kombinationen wirklich riskant sind – und warum Beratung entscheidend bleibt
Nahrungsergänzungsmittel gelten als unkompliziert, frei verkäuflich und „natürlich“. Genau das führt dazu, dass immer mehr Menschen verschiedene Präparate kombinieren, ohne die Wechselwirkungen zu kennen. In der Beratung zeigt sich jedoch regelmäßig, dass viele Kombinationen therapeutisch sinnlos oder sogar gefährlich sind. Anders als bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es bei Supplementen kaum verpflichtende Überwachungsstrukturen – umso wichtiger ist die pharmazeutische Einordnung.
Eines der häufigsten Probleme betrifft Mineralstoffe, die sich gegenseitig behindern. Eisen, Calcium, Magnesium und Zink konkurrieren um dieselben Transportwege im Darm. Wenn sie gleichzeitig eingenommen werden, kann die Aufnahme einzelner Stoffe um bis zu 60–70 % reduziert sein. Das führt dazu, dass Eisenpräparate wirkungslos erscheinen oder hohe Dosierungen nötig werden, obwohl eine einfache zeitliche Trennung ausreichen würde.
Magnesium ist ein weiteres Beispiel für ein Supplement, das in hohen Dosen kritische Wirkungen entfalten kann. In Kombination mit bestimmten Blutdrucksenkern oder Antiarrhythmika kann es den Herzrhythmus beeinträchtigen. Besonders ältere Menschen oder Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz sind anfällig.
Pflanzliche Präparate werden häufig unterschätzt. Johanniskraut ist eines der stärksten bekannten Interaktionspräparate und führt dazu, dass viele Medikamente deutlich schneller abgebaut werden. Die Folge: Die Wirkung der Anti-Baby-Pille, wichtiger Blutverdünner oder Immunsuppressiva kann verloren gehen. Fälle von ungewollten Schwangerschaften oder Transplantat-Abstoßungen sind dokumentiert.
Auch Vitamine können problematisch sein. Vitamin K und Gerinnungshemmer müssen exakt aufeinander abgestimmt sein. Eine scheinbar harmlose Vitamin-D-Hochdosistherapie in Verbindung mit Calcium kann gefährlich hohe Calciumspiegel verursachen und Nierensteine begünstigen. Vitamin B6 zeigt in hohen Dosen neurotoxische Effekte.
Omega-3-Fettsäuren – oft positiv belegt – haben in sehr hohen Mengen blutgerinnungshemmende Eigenschaften. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien kann das Blutungsrisiko steigen.
Der entscheidende Punkt: Viele Interaktionen sind nicht unmittelbar spürbar. Sie wirken schleichend oder maskiert. Die Medikationsanalyse in der Apotheke setzt genau hier an. Durch die systematische Erfassung aller Arzneimittel und Supplemente lassen sich unnötige Risiken identifizieren und wirkungslose Kombinationen vermeiden.
Tipp von Apothekerin Arlett Düker (aus unserem Podcast „Gesund Gehört“): Nahrungsergänzungsmittel entfalten ihren Wert nur dann, wenn sie sinnvoll kombiniert werden. Eine Beratung schafft Klarheit, schützt vor Risiken und sorgt dafür, dass Supplemente wirklich das tun, was sie sollen.