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Nasenspray im Dauergebrauch - wie Gewohnheit zur Abhängigkeit wird

Abschwellende Nasensprays gehören zu den am häufigsten verwendeten Arzneimitteln in Deutschland. Sie sind leicht zugänglich, lindern Beschwerden innerhalb weniger Minuten und verschaffen zumindest kurzfristig freie Atemwege. Doch der einfache Zugang sorgt auch dafür, dass viele Menschen sie zu lange anwenden. Was als harmlose Unterstützung in der Erkältungszeit beginnt, kann sich schleichend zu einer echten Abhängigkeit entwickeln.

Die Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin verengen die kleinen Blutgefäße der Nasenschleimhaut. Dadurch nimmt die Schwellung ab und die Atmung verbessert sich. Dieser Effekt hält vier bis acht Stunden an. Wird das Spray allerdings länger als empfohlen genutzt, beginnt ein Kreislauf, den viele Patienten zunächst gar nicht bemerken: Die Gefäße erweitern sich nach Abklingen der Wirkung stärker als zuvor, wodurch die Nase erneut verstopft. Dieser Rebound-Effekt wird häufig missverstanden – viele nehmen an, sie seien noch krank oder erneut erkältet. In Wahrheit ist es die Schleimhaut, die durch die wiederholte Anwendung überreagiert.

Langzeitgebrauch führt zu spürbaren Problemen: trockene, schmerzhafte Schleimhäute, Nasenbluten, Krustenbildung, eine erhöhte Infektanfälligkeit und manchmal sogar ein Verlust des Geruchssinns. Manche Betroffene tragen das Spray permanent bei sich, weil sie sich unwohl oder panisch fühlen, sobald die Wirkung nachlässt. Auch die psychische Komponente darf daher nicht unterschätzt werden.

Der Weg aus der Abhängigkeit ist möglich – und deutlich einfacher, wenn er strukturiert erfolgt. Die bewährte Ein-Nasenloch-Methode arbeitet mit dem Prinzip der schrittweisen Reduktion: Ein Nasenloch wird behandelt, das andere sofort abgesetzt. Sobald sich das erste regeneriert hat, folgt das zweite. Ergänzend können Meerwasserpräparate, pflegende Nasensalben oder in geeigneten Fällen auch kortisonhaltige Sprays eingesetzt werden. Die Schleimhaut regeneriert sich mit der richtigen Unterstützung meist zuverlässig.

Viele Betroffene empfinden Scham oder glauben, sie seien „selbst schuld“. Dabei ist die Abhängigkeit von Nasensprays weit verbreitet und medizinisch erklärbar. Gerade deshalb spielt die Apotheke eine zentrale Rolle: unkompliziert, niedrigschwellig und fachlich fundiert. Hier können Betroffene anonym über ihr Verhalten sprechen, ohne verurteilt zu werden. Die Beratung hilft, Ursachen zu verstehen, Alternativen zu finden und gemeinsam einen Ausstiegsplan zu entwickeln, der zum Alltag des jeweiligen Menschen passt.

Abschwellende Nasensprays sind wichtige Arzneimittel, doch sie gehören in den Kurzzeiteinsatz. Der Ausstieg lohnt sich – für die Schleimhaut, für die Atmung und für das gesamte Wohlbefinden.