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Arzneimittel und Fahrtüchtigkeit - die unterschätzte Gefahr im Strassenverkehr

Für viele Menschen ist Autofahren eine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig nehmen in Deutschland Millionen Menschen täglich Medikamente ein – dauerhaft oder bei akuten Beschwerden. Was dabei häufig unterschätzt wird: Zahlreiche Arzneimittel können die Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigen, selbst wenn sie korrekt dosiert eingenommen werden.

Arzneistoffe greifen in komplexe Vorgänge des Körpers ein. Genau diese Wirkmechanismen sind es, die im Straßenverkehr problematisch werden können. Typische Beeinträchtigungen sind:

  • verlängerte Reaktionszeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Müdigkeit und Benommenheit
  • eingeschränkte Entscheidungsfähigkeit

Diese Effekte erhöhen das Unfallrisiko oft schleichend – ohne dass die Betroffenen die Gefahr unmittelbar bemerken.

Einige Arzneimittelgruppen sind besonders häufig beteiligt:

1. Schmerzmittel (Opioide):
Starke Schmerzmittel wie Tramadol oder Morphinderivate können Sedierung, Benommenheit und verlangsamte Reflexe verursachen.

2. Schlaf- und Beruhigungsmittel:
Benzodiazepine und sogenannte Z-Substanzen beeinträchtigen häufig noch am Folgetag die Reaktionsfähigkeit.

3. Antiallergika der ersten Generation:
Ältere Antihistaminika machen deutlich müde und dürfen praktisch nicht mit dem Autofahren kombiniert werden.

4. Psychopharmaka:
Antidepressiva, Neuroleptika und Stimmungsstabilisatoren können Aufmerksamkeit, Koordination und Reaktionsfähigkeit beeinflussen.

5. Medikamente gegen Schwindel und Übelkeit:
Auch diese wirken auf das zentrale Nervensystem und können Benommenheit verursachen.

In Apotheken zeigt sich regelmäßig, dass viele Patientinnen und Patienten Medikamente kombinieren, ohne die Wechselwirkungen zu kennen. Ein typisches Beispiel: Ein Antihistaminikum gegen Heuschnupfen tagsüber und abends ein Schlafmittel – am nächsten Morgen ist die Fahrtüchtigkeit massiv eingeschränkt, obwohl sich der Betroffene subjektiv „wach“ fühlt.

Ein weiteres Risiko ist Alkohol: Schon geringe Mengen verstärken die dämpfende Wirkung vieler Arzneimittel erheblich.

Übrigens: Wer unter Medikamenteneinfluss einen Unfall verursacht, kann auch dann haftbar gemacht werden, wenn das Arzneimittel korrekt verordnet wurde. Die Straßenverkehrsordnung geht davon aus, dass jeder Fahrer seine Fahrtüchtigkeit selbstverantwortlich einschätzen muss. Unwissen schützt nicht vor Konsequenzen.

  • Nehmen Sie neue Medikamente nicht unmittelbar vor längeren Fahrten ein.
  • Beobachten Sie sich in den ersten Einnahmetagen besonders genau.
  • Kombinieren Sie Medikamente niemals eigenständig.
  • Verzichten Sie strikt auf Alkohol bei zentral wirksamen Arzneimitteln.
  • Fragen Sie aktiv nach Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit – nicht nur beim Arzt, sondern auch in der Apotheke.

In der Apotheke lassen sich Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und individuelle Risiken genau prüfen. Hier wird nicht nur der einzelne Wirkstoff betrachtet, sondern die gesamte Medikation – inklusive Selbstmedikation, Nahrungsergänzung und Alltagspräparate.

Tipp von Apothekerin Arlett Düker (bekannt aus dem Podcast „Gesund Gehört“): Wer regelmäßig Auto fährt, sollte jede Medikamentenänderung aktiv ansprechen. Gerade die Kombination mehrerer Präparate ist der häufigste Grund für unerkannte Fahruntüchtigkeit.

Fazit

Medikamente retten Leben – können aber im Straßenverkehr zur Gefahr werden, wenn ihre Wirkung unterschätzt wird. Sicherheit beginnt nicht erst auf der Straße, sondern bereits bei der richtigen Beratung. Wer bewusst mit seinen Arzneimitteln umgeht, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.