Gefährliche Wechselwirkungen im Alltag – welche Medikamente niemals zusammen eingenommen werden sollten
Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln zählen zu den häufigsten vermeidbaren Medikamentenrisiken. Besonders gefährlich ist, dass viele dieser Kombinationen im Alltag entstehen – durch Selbstmedikation, unterschiedliche Fachärzte oder parallele Einnahme freiverkäuflicher Präparate.
Ein besonders relevantes Beispiel ist die Kombination aus nicht-steroidalen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac mit Blutverdünnern. Beide Wirkstoffgruppen greifen den Magenschutz an und erhöhen unabhängig voneinander die Blutungsneigung. Zusammen vervielfacht sich das Risiko für gefährliche Magen-Darm-Blutungen. Kommt zusätzlich Kortison hinzu, steigt das Risiko weiter drastisch.
Auch im Erkältungsbereich entstehen häufig ungewollte Überdosierungen. Viele Kombinationspräparate enthalten bereits Paracetamol. Wird parallel ein weiteres Schmerzmittel mit demselben Wirkstoff eingenommen, kann die maximal sichere Tagesdosis überschritten werden. Die Folge: schwere Leberschädigungen, die sich oft erst verzögert bemerkbar machen.
Ein weiteres relevantes Beispiel betrifft Antidepressiva. In Kombination mit bestimmten Hustenmitteln, Migränepräparaten oder pflanzlichen Stimmungsaufhellern kann es zur gefährlichen Erhöhung des Serotoninspiegels kommen. Das sogenannte Serotonin-Syndrom äußert sich durch hohes Fieber, Muskelzittern, Herzrhythmusstörungen und Bewusstseinsveränderungen – ein medizinischer Notfall.
Auch Herzmedikamente reagieren empfindlich auf Wechselwirkungen. Bestimmte Antibiotika und Pilzmittel können den Blutspiegel von Herzrhythmusmedikamenten stark erhöhen. Das kann zu lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen führen. Sogar Grapefruitsaft kann bei einigen Wirkstoffen den Abbau blockieren und so eine Überdosierung verursachen.
Nicht ungefährlich sind auch pflanzliche Präparate. Johanniskraut beschleunigt den Abbau vieler Medikamente – darunter die Antibabypille, Gerinnungshemmer oder Immunsuppressiva. Die Wirkung dieser lebenswichtigen Medikamente wird dadurch abgeschwächt, was massive Folgen haben kann.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, da sie häufig mehrere Dauermedikamente einnehmen. Hier können sich zahlreiche Wechselwirkungen still über Monate entwickeln. Deshalb ist eine regelmäßige Medikationsanalyse unerlässlich.
Die Apotheke übernimmt dabei eine zentrale Sicherheitsfunktion. Jede Verordnung, jede zusätzliche Selbstmedikation und jedes neue Nahrungsergänzungsmittel sollte in die Gesamtbewertung einbezogen werden. Moderne Interaktionsprüfungen unterstützen dies technisch – ersetzen aber nicht das persönliche Beratungsgespräch.
Medikamentensicherheit ist kein theoretisches Thema. Sie entscheidet im Alltag über Therapieerfolg, Organbelastung oder im Extremfall über Leben und Tod.