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MEDIKAMENTE SICHER ORGANISIEREN – EINE DER WICHTIGSTEN AUFGABEN IM PFLEGEALLTAG

Wenn ein Mensch pflegebedürftig wird, verändert sich oft nicht nur der Alltag – sondern auch die Anzahl der Medikamente.

Während früher vielleicht eine Tablette am Morgen genügte, liegen plötzlich mehrere Arzneimittel auf dem Tisch. Einige werden morgens eingenommen, andere mittags oder abends. Manche müssen vor dem Essen eingenommen werden, andere danach. Hinzu kommen Tropfen, Inhalationen, Salben oder Bedarfsmedikamente.

Für viele Angehörige beginnt genau hier eine der größten Herausforderungen.

Warum die Medikamenteneinnahme plötzlich so kompliziert wird

Mit zunehmendem Alter leiden viele Menschen gleichzeitig an mehreren Erkrankungen. Bluthochdruck, Diabetes, Arthrose oder Herzschwäche treten häufig gemeinsam auf. Jede Erkrankung bringt ihre eigene Behandlung mit sich.

Nach einem Krankenhausaufenthalt verändert sich die Therapie zusätzlich oft innerhalb kurzer Zeit.

Neue Medikamente werden verordnet.

Bisherige Präparate werden abgesetzt.

Dosierungen ändern sich.

Nicht selten unterscheiden sich die Empfehlungen des Krankenhauses von den bisherigen Verordnungen des Hausarztes.

Für Angehörige ist das kaum noch zu überblicken.

Kleine Fehler können große Folgen haben

Die meisten Fehler entstehen nicht aus Nachlässigkeit.

Sie entstehen, weil der Alltag stressig ist.

War die Tablette heute Morgen schon dran?

Oder war das gestern?

Muss dieses Medikament nüchtern eingenommen werden?

Sollte die halbe oder die ganze Tablette gegeben werden?

Gerade wenn mehrere Angehörige die Versorgung übernehmen, entstehen schnell Missverständnisse.

Deshalb sollte die Medikamenteneinnahme möglichst klar organisiert sein.

Ein aktueller Medikationsplan ist unverzichtbar

Der Medikationsplan sollte immer den tatsächlichen Stand der Behandlung widerspiegeln.

Kontrollieren Sie deshalb nach jedem Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt,

  • ob neue Medikamente hinzugekommen sind,
  • ob Arzneimittel abgesetzt wurden,
  • ob sich Dosierungen geändert haben,
  • ob neue Einnahmezeiten gelten.

Verlassen Sie sich nicht auf ältere Listen oder handschriftliche Notizen.

Schon kleine Unterschiede können erhebliche Auswirkungen haben.

Medikamente richtig aufbewahren

Nicht jedes Arzneimittel gehört in den Badezimmerschrank.

Feuchtigkeit und starke Temperaturschwankungen können manche Medikamente beeinträchtigen.

Andere Präparate müssen sogar im Kühlschrank gelagert werden.

Bewahren Sie Arzneimittel möglichst

  • trocken,
  • bei der empfohlenen Temperatur,
  • in der Originalverpackung und
  • außerhalb der Reichweite von Kindern auf.

Lesen Sie die Hinweise in der Packungsbeilage oder fragen Sie bei Unsicherheiten in Ihrer Apotheke nach.

Darf man Tabletten einfach teilen?

Diese Frage wird in Apotheken täglich gestellt.

Die Antwort lautet:

Nicht immer.

Manche Tabletten besitzen eine Bruchkerbe und dürfen geteilt werden.

Andere sind mit einem besonderen Überzug versehen oder geben den Wirkstoff über viele Stunden langsam frei.

Wer solche Tabletten zerteilt oder zerkleinert, verändert unter Umständen ihre Wirkung.

Teilen oder zerstoßen Sie Medikamente deshalb niemals ohne Rücksprache mit Arzt oder Apotheke.

Medikamente nie eigenständig absetzen

Manchmal geht es einem Patienten nach einigen Wochen deutlich besser.

Dann entsteht schnell der Gedanke:

„Vielleicht brauchen wir das Medikament gar nicht mehr.“

Doch gerade Blutdruckmedikamente, Blutverdünner oder Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden.

Auch wenn Nebenwirkungen auftreten, sollte zunächst ärztlicher Rat eingeholt werden.

Oft lässt sich die Behandlung anpassen, ohne auf eine wichtige Therapie zu verzichten.

Was tun, wenn eine Einnahme vergessen wurde?

Fast jeder Angehörige erlebt diesen Moment.

War die Tablette schon dran?

Oder wurde sie vergessen?

Die richtige Reaktion hängt vom jeweiligen Medikament ab.

Manche Arzneimittel können einige Stunden später noch eingenommen werden.

Bei anderen sollte die vergessene Dosis ausgelassen werden.

Eine doppelte Einnahme ist jedoch nur in wenigen Fällen sinnvoll.

Wenn Unsicherheit besteht, fragen Sie lieber einmal mehr in der Apotheke nach.

Aus der Apotheke vor Ort

Die Apotheke begleitet viele pflegebedürftige Menschen über Jahre hinweg und kennt deren Arzneimitteltherapie oft sehr genau.

Deshalb kann sie weit mehr leisten, als lediglich Medikamente abzugeben.

Sie unterstützt unter anderem bei

  • der Überprüfung des Medikationsplans,
  • der Erkennung möglicher Wechselwirkungen,
  • Fragen zur richtigen Einnahme,
  • der Lagerung von Arzneimitteln,
  • Änderungen nach Krankenhausaufenthalten.

Wenn dauerhaft viele Medikamente zu unterschiedlichen Zeiten eingenommen werden müssen, kann zudem eine patientenindividuelle Verblisterung sinnvoll sein.

Dabei werden geeignete Arzneimittel maschinell nach Einnahmezeitpunkt zusammengestellt und eindeutig gekennzeichnet. Für viele Angehörige bedeutet das mehr Übersicht, weniger Organisationsaufwand und zusätzliche Sicherheit im Alltag.

Ob diese Versorgungsform für Ihren Angehörigen geeignet ist, sollte immer individuell mit Ihrer Apotheke besprochen werden.

Medikamente sind mehr als nur Tabletten

Jedes Medikament verfolgt ein bestimmtes Ziel.

Es soll Beschwerden lindern, Krankheiten behandeln oder Komplikationen verhindern.

Damit dies gelingt, kommt es jedoch nicht nur auf den Wirkstoff an.

Ebenso wichtig ist die richtige Anwendung.

Eine gut organisierte Arzneimitteltherapie kann dazu beitragen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, die Lebensqualität zu erhalten und Angehörige im Alltag spürbar zu entlasten.

Unser Fazit

Die Organisation der Medikamente gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Pflegealltag.

Sie verlangt Aufmerksamkeit, Sorgfalt und regelmäßige Kontrolle.

Niemand muss dabei alles allein wissen.

Nutzen Sie die Unterstützung Ihrer Ärzte und Ihrer Apotheke.

Denn eine sichere Arzneimitteltherapie schützt nicht nur den pflegebedürftigen Menschen.

Sie gibt auch Ihnen als Angehörigem die Sicherheit, das Richtige zu tun.