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Wann haben Sie zuletzt Ihren Impfpass angesehen? Warum sich ein Blick gerade jetzt lohnt

Er liegt irgendwo in einer Schublade, zwischen alten Versicherungsunterlagen, Reisepässen und Dokumenten, die man eigentlich längst einmal sortieren wollte. Der Impfpass gehört zu jenen Dingen, die wir sorgfältig aufbewahren, aber erstaunlich selten zur Hand nehmen. Meist fällt er uns erst wieder ein, wenn eine Fernreise ansteht, eine Verletzung versorgt werden muss oder der Arzt nach dem letzten Impftermin fragt.

Dabei kann ein Blick in dieses kleine Dokument durchaus überraschen. Wann war eigentlich die letzte Tetanusimpfung? Ist der Schutz gegen Diphtherie und Keuchhusten noch aktuell? Welche Impfungen werden ab einem bestimmten Alter empfohlen? Und welche zusätzlichen Impfungen können bei chronischen Erkrankungen oder besonderen Lebensumständen sinnvoll sein?

Viele Erwachsene gehen davon aus, dass sie mit den Impfungen ihrer Kindheit ausreichend geschützt sind. Andere glauben, sämtliche Impfungen müssten regelmäßig wiederholt werden. Beides ist so pauschal nicht richtig. Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Krankheit, Alter, bisherigem Impfstatus und persönlichen Risikofaktoren.

Gerade im Herbst, wenn die Grippesaison näher rückt und das Thema Impfen wieder stärker in den Mittelpunkt rückt, lohnt es sich deshalb, nicht nur über die nächste saisonale Impfung nachzudenken. Auch der allgemeine Impfstatus verdient gelegentlich Aufmerksamkeit.

Apothekerin Arlett Düker erklärt: „Viele Menschen beschäftigen sich erst dann mit ihrem Impfschutz, wenn ein konkreter Anlass besteht. Dabei kann eine rechtzeitige Überprüfung helfen, mögliche Impflücken zu erkennen und offene Fragen zu klären.“

Warum der Impfschutz im Erwachsenenalter nicht selbstverständlich ist

Impfungen gehören zu den wichtigen Maßnahmen der Krankheitsprävention. Sie können das Risiko bestimmter Infektionskrankheiten und ihrer Komplikationen deutlich reduzieren. Welche Impfungen sinnvoll sind, richtet sich in Deutschland insbesondere nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, kurz STIKO, am Robert Koch-Institut.

Eine der bekanntesten Auffrischimpfungen betrifft Tetanus und Diphtherie. Für Erwachsene werden entsprechende Auffrischungen in der Regel alle zehn Jahre empfohlen. Bei der nächsten fälligen Auffrischung sollte gegebenenfalls auch eine einmalige Impfung gegen Pertussis, also Keuchhusten, berücksichtigt werden. Für bestimmte Berufsgruppen und Kontaktpersonen von Säuglingen können zusätzliche Empfehlungen gelten.

Nicht jeder Mensch benötigt jedoch dieselben Impfungen. So können etwa eine chronische Herz- oder Lungenerkrankung, Diabetes mellitus, eine Immunschwäche oder ein höheres Lebensalter dazu führen, dass zusätzliche Schutzimpfungen empfohlen werden.

Auch die Lebenssituation spielt eine Rolle. Wer beispielsweise eine Schwangerschaft plant, sollte seinen Impfstatus rechtzeitig überprüfen lassen. Dabei ist insbesondere der Schutz vor Röteln und Varizellen wichtig. Bestimmte Lebendimpfstoffe dürfen während einer Schwangerschaft nicht verabreicht werden, weshalb eine frühzeitige Beratung sinnvoll ist.

Bei Erwachsenen mit unvollständigem oder unbekanntem Impfstatus kann außerdem die Frage entstehen, ob eine Grundimmunisierung nachgeholt werden muss. Das bedeutet allerdings nicht, dass grundsätzlich sämtliche Impfungen wiederholt werden müssen. Die weitere Vorgehensweise richtet sich nach den vorhandenen Nachweisen und den jeweiligen Impfempfehlungen.

Der Impfpass ist deshalb mehr als eine Sammlung alter Einträge. Er bietet eine Grundlage, um gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal zu prüfen, welche Schutzimpfungen bereits erfolgt sind und wo möglicherweise Handlungsbedarf besteht.

Grippe, COVID-19 und weitere Impfungen: Was im Herbst wichtig wird

Mit Beginn der kälteren Jahreszeit rückt insbesondere die Influenzaimpfung in den Mittelpunkt. Die echte Grippe ist keine gewöhnliche Erkältung. Eine Influenzainfektion kann mit hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl und erheblichen Komplikationen einhergehen. Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen, Schwangere und Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen.

Die STIKO empfiehlt die jährliche Influenzaimpfung insbesondere für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Personen mit bestimmten Grunderkrankungen sowie weitere definierte Risikogruppen. Auch bei beruflich erhöhtem Infektionsrisiko kann eine Empfehlung bestehen.

Da sich die zirkulierenden Influenzaviren verändern und der Impfschutz zeitlich begrenzt ist, wird die Grippeimpfung jährlich mit einem an die erwarteten Virusvarianten angepassten Impfstoff angeboten.

Bei COVID-19 gelten differenzierte Empfehlungen. Für gesunde jüngere Erwachsene mit bereits aufgebauter Basisimmunität ist nicht grundsätzlich jedes Jahr eine weitere Impfung vorgesehen. Für bestimmte Risikogruppen werden dagegen zusätzliche Auffrischimpfungen empfohlen. Entscheidend sind die jeweils geltenden STIKO-Empfehlungen und die individuelle gesundheitliche Situation.

Daneben gibt es weitere Impfungen, die im Erwachsenenalter wichtig werden können. Dazu zählen beispielsweise Impfungen gegen Pneumokokken, Herpes zoster oder RSV. Ob und wann sie empfohlen werden, hängt unter anderem vom Alter und möglichen Risikofaktoren ab.

Die Vielfalt der Empfehlungen zeigt, warum ein pauschaler Impfkalender für alle Erwachsenen wenig hilfreich wäre. Was für eine gesunde 30-jährige Person gilt, kann sich deutlich von den Empfehlungen für einen 65-jährigen Menschen mit einer chronischen Atemwegserkrankung unterscheiden.

Auch deshalb sollte die Entscheidung für eine Impfung nicht allein anhand von Werbung oder allgemeinen Aussagen getroffen werden. Eine individuelle Beratung berücksichtigt sowohl den persönlichen Nutzen als auch mögliche Gegenanzeigen und Besonderheiten.

Impfen in der Apotheke: Kurze Wege und persönliche Beratung

Lange Zeit war die Impfung für viele Menschen automatisch mit einem Arzttermin verbunden. Inzwischen können entsprechend qualifizierte Apotheken in Deutschland unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch bestimmte Schutzimpfungen anbieten. Dazu gehören insbesondere Impfungen gegen Influenza und COVID-19 für die jeweils zugelassenen Personengruppen.

Das schafft eine zusätzliche Möglichkeit, sich unkompliziert um den eigenen Impfschutz zu kümmern. Gerade Menschen, die im Berufsalltag wenig Zeit haben oder einen Impftermin bisher immer wieder aufgeschoben haben, profitieren möglicherweise von wohnortnahen Angeboten.

Auch unsere Apotheken bieten Impfungen an. Dabei legen wir Wert auf eine persönliche Beratung und die Prüfung, ob die gewünschte Impfung für die jeweilige Person geeignet ist. Welche Impfungen aktuell angeboten werden und welche Voraussetzungen gelten, erfahren Sie direkt in Ihrer Apotheke.

Apothekerin Arlett Düker betont: „Eine Impfung ist mehr als ein kurzer Termin. Entscheidend sind die richtige Indikation, die sichere Durchführung und die Möglichkeit, persönliche Fragen vorab zu klären.“

Für Ihren Impftermin benötigen Sie in der Regel nur wenige Dinge: Ihre Versichertenkarte, möglichst Ihren Impfausweis und Kleidung, die den Oberarm für die Impfung leicht zugänglich macht.

DIE ANMELDUNG IST ÜBER IHREAPOTHEKEN.DE ODER DIREKT TELEFONISCH IN IHRER APOTHEKE MÖGLICH.

Wer seinen Impfpass schon länger nicht mehr angesehen hat, kann den Termin außerdem zum Anlass nehmen, sich über den eigenen Impfstatus zu informieren. Nicht jede im Impfpass möglicherweise fehlende Impfung kann unmittelbar in der Apotheke nachgeholt werden. Die Beratung kann aber helfen, offene Fragen zu erkennen und gegebenenfalls an den behandelnden Arzt zu verweisen.

Ein vollständiger Impfschutz ist keine einmalige Angelegenheit, die mit dem Ende der Kindheit abgeschlossen ist. Er entwickelt sich mit dem Alter, der gesundheitlichen Situation und den medizinischen Empfehlungen weiter.

Vielleicht ist deshalb gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, die Schublade zu öffnen, den Impfpass herauszunehmen und einen Blick auf die letzten Einträge zu werfen.

Denn manchmal beginnt sinnvolle Gesundheitsvorsorge mit einer erstaunlich einfachen Frage: Wann habe ich eigentlich zuletzt meinen Impfstatus überprüfen lassen?