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Hustenlöser oder Hustenstiller: Was hilft bei welchem Husten?

Die Nacht ist fast vorbei, obwohl man kaum geschlafen hat. Kaum legt man sich hin, beginnt es wieder: dieses trockene Kratzen, dann der erste Hustenstoß und wenige Sekunden später der nächste. Also steht man irgendwann auf, geht ins Bad und sucht nach dem Hustensaft, der noch vom letzten Winter im Schrank steht.

Nur: Ist das überhaupt der richtige?

Hustenlöser, Hustenstiller, pflanzliche Präparate, Tropfen, Säfte, Kapseln – wer vor dem Apothekenregal steht, könnte meinen, Husten sei vor allem eine Frage der richtigen Flasche. Dabei sollte die erste Frage eine ganz andere sein:

Wie husten Sie eigentlich?

Denn trockener Reizhusten und Husten mit Schleim sind nicht dasselbe. Und entsprechend unterschiedlich kann auch die Behandlung aussehen.

Apothekerin Arlett Düker: „Wenn jemand nach einem Hustensaft fragt, möchte ich zuerst wissen, wie sich der Husten anhört und anfühlt. Trocken und quälend? Oder löst sich Schleim? Seit wann besteht der Husten? Und gibt es weitere Beschwerden?“

Diese wenigen Fragen sind häufig wichtiger als die Entscheidung zwischen zwei Produkten.

Husten mit Schleim: Wann ist ein Hustenlöser sinnvoll?

Husten ist zunächst ein Schutzreflex. Gelangen Schleim, Fremdkörper oder reizende Stoffe in die Atemwege, versucht der Körper, sie wieder hinauszubefördern. Bei einem Atemwegsinfekt kann sich zusätzlich Sekret bilden, das abgehustet wird.

Genau hier kommen sogenannte Hustenlöser beziehungsweise Expektoranzien ins Spiel. Zu den bekannten Wirkstoffen gehören beispielsweise Acetylcystein und Ambroxol. Daneben gibt es pflanzliche Arzneimittel, etwa mit Efeu oder Thymian.

Das Ziel ist dabei nicht, den Husten einfach abzuschalten. Bei produktivem Husten soll Sekret aus den Atemwegen entfernt werden können.

Und damit kommen wir zu einem häufigen Missverständnis: Viel Schleim bedeutet nicht automatisch, dass möglichst stark gegen den Hustenreflex vorgegangen werden sollte. Gerade wenn Sekret abgehustet werden muss, erfüllt der Husten eine wichtige Funktion.

Auch Hustenlöser sind allerdings keine Wundermittel. Bei einem gewöhnlichen Erkältungshusten ist der Nutzen verschiedener Präparate unterschiedlich gut belegt. Viel trinken kann angenehm sein und verhindert insbesondere bei Fieber oder starkem Schwitzen einen Flüssigkeitsmangel, ersetzt aber keine medizinische Abklärung, wenn der Verlauf ungewöhnlich ist.

Trockener Reizhusten: Wann kommt ein Hustenstiller infrage?

Ganz anders fühlt sich trockener Reizhusten an. Es wird kaum oder gar kein Schleim abgehustet, trotzdem setzt immer wieder ein Hustenreiz ein. Besonders nachts kann das ausgesprochen belastend werden.

Hier können Hustenstiller, sogenannte Antitussiva, unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein. Sie sollen den Hustenreiz dämpfen und können insbesondere bei starkem, trockenem Reizhusten für die Nacht eine Option sein.

Je nach Präparat kommen unterschiedliche Wirkstoffe infrage. Deshalb sollte auch hier nicht einfach irgendein vorhandener Hustensaft verwendet werden. Alter, Begleiterkrankungen, andere Medikamente und die genaue Art des Hustens spielen bei der Auswahl eine Rolle.

Besonders vorsichtig sollte man mit der Vorstellung sein, Hustenlöser und Hustenstiller einfach gleichzeitig einzunehmen.

Die beiden Behandlungsprinzipien verfolgen unterschiedliche Ziele: Auf der einen Seite soll Sekret gelöst und abgehustet werden, auf der anderen Seite wird der Hustenreiz gedämpft. Ob eine zeitlich getrennte Anwendung im individuellen Fall sinnvoll sein kann, sollte deshalb konkret besprochen werden, statt beide Präparate nach dem Motto „doppelt hilft besser“ miteinander zu kombinieren.

Apothekerin Arlett Düker: „Ein Hustenstiller ist nicht automatisch der stärkere Hustensaft. Er hat eine andere Aufgabe. Genau deshalb sollten wir zuerst wissen, ob überhaupt Schleim vorhanden ist.“

Das klingt banal. Für eine sinnvolle Selbstmedikation ist es jedoch entscheidend.

Wie lange ist Husten nach einer Erkältung noch normal?

Auch die Dauer sorgt häufig für Verunsicherung.

Die laufende Nase ist längst besser, das Fieber verschwunden und eigentlich fühlt man sich wieder gesund – nur der Husten bleibt. Das bedeutet nicht automatisch, dass aus der Erkältung eine schwere Erkrankung geworden ist.

Ein akuter Erkältungshusten kann durchaus noch einige Zeit nach den übrigen Beschwerden anhalten. Die Atemwege bleiben nach einem Infekt häufig gereizt, sodass der Husten nicht unbedingt gleichzeitig mit Schnupfen und Halsschmerzen verschwindet.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen man nicht einfach weiter abwarten sollte.

Hohes oder anhaltendes Fieber, deutliche Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, Blut im Auswurf, ein erheblich verschlechterter Allgemeinzustand oder ein auffälliger beziehungsweise ungewöhnlich langer Verlauf sollten medizinisch abgeklärt werden. Das gilt besonders für Menschen mit bestehenden Lungen- oder Herzerkrankungen sowie für andere Risikogruppen.

Auch ein Husten, der immer wiederkehrt oder über längere Zeit bestehen bleibt, gehört nicht dauerhaft in die Selbstmedikation. Dann muss geklärt werden, ob tatsächlich noch ein Infekt dahintersteckt oder beispielsweise Asthma, eine andere Atemwegserkrankung, Reflux oder sogar ein Medikament eine Rolle spielen könnte.

Denn auch Arzneimittel können Husten verursachen. Ein bekanntes Beispiel sind ACE-Hemmer, die zur Behandlung von Bluthochdruck und bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Ein trockener Reizhusten kann hier als Nebenwirkung auftreten. Das Medikament sollte deshalb keinesfalls eigenständig abgesetzt werden – die Beobachtung gehört aber in das Gespräch mit Arzt oder Apotheke.

Damit wird aus der vermeintlich einfachen Frage nach dem besten Hustensaft wieder das, was sie eigentlich ist: eine pharmazeutische Beratungsfrage.

Wie lange besteht der Husten? Ist er trocken oder produktiv? Welche weiteren Symptome treten auf? Welche Erkrankungen bestehen? Welche Medikamente werden eingenommen? Und wer soll das Präparat überhaupt verwenden?

Erst danach kommt die Frage nach dem Produkt.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft für die nächste Erkältungssaison. Im Badezimmerschrank stehen möglicherweise noch drei verschiedene Hustensäfte. Aber nicht derjenige mit dem stärksten Versprechen auf der Packung ist automatisch der richtige.

Hustenlöser und Hustenstiller sind keine zwei unterschiedlich starken Varianten derselben Behandlung. Sie verfolgen unterschiedliche Ziele.

Deshalb sollte die erste Frage nicht lauten:

„Welcher Hustensaft ist der beste?“

Sondern:

„Was für einen Husten habe ich eigentlich?“