Zecken – warum sie heute ganzjährig aktiv sind und wo das Infektionsrisiko besonders hoch ist
Zecken galten lange Zeit als typisches Sommerproblem. Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr begann die Saison, die im Herbst wieder endete. Dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
Durch mildere Winter und veränderte klimatische Bedingungen sind Zecken heute über einen deutlich längeren Zeitraum aktiv. In vielen Regionen endet ihre Aktivität nicht mehr im Herbst, sondern setzt sich auch in den Wintermonaten fort – insbesondere dann, wenn die Temperaturen nicht dauerhaft unter den Gefrierpunkt fallen.
Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf das Infektionsrisiko.
Zecken können verschiedene Krankheitserreger übertragen. Besonders relevant sind dabei die Lyme Disease, verursacht durch Bakterien, sowie die virale Tick-borne Encephalitis.
Borreliose kommt in weiten Teilen Europas vor und ist nicht auf bestimmte Risikogebiete beschränkt. Das bedeutet, dass theoretisch überall dort ein Risiko besteht, wo Zecken vorkommen.
Anders verhält es sich bei FSME. Hier gibt es klar definierte Risikogebiete, in denen das Virus gehäuft auftritt. In Deutschland betrifft dies vor allem südliche Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg. Darüber hinaus gibt es einzelne Risikogebiete in Hessen, Thüringen und Sachsen.
Diese regionale Verteilung ist entscheidend für die individuelle Einschätzung des Risikos.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verhalten der Zecken selbst. Sie halten sich bevorzugt in Gräsern, Sträuchern und im Unterholz auf. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme fallen sie nicht von Bäumen, sondern werden beim Vorbeigehen abgestreift.
Das Risiko einer Infektion hängt von mehreren Faktoren ab: Aufenthaltsdauer in der Natur, Kleidung, Schutzmaßnahmen und die Geschwindigkeit, mit der eine Zecke entdeckt und entfernt wird.
Gerade bei Borreliose spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Je länger die Zecke anhaftet, desto höher ist das Risiko einer Übertragung.
Die Prävention ist daher von zentraler Bedeutung. Dazu gehören einfache Maßnahmen wie das Tragen geschlossener Kleidung, das Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Freien und das schnelle Entfernen von Zecken.
In Risikogebieten kann zusätzlich eine Impfung gegen FSME sinnvoll sein.
In der Praxis zeigt sich, dass viele Menschen das Risiko weiterhin unterschätzen oder stark saisonal denken. Die Realität ist jedoch eine andere: Zecken sind heute ein Thema, das über weite Teile des Jahres hinweg relevant ist.
Eine bewusste Einordnung von Region, Verhalten und Schutzmaßnahmen hilft, das Risiko deutlich zu reduzieren.