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EIN STURZ VERÄNDERT ALLES – WARUM SIE STURZGEFAHR IM ALTER ERNST NEHMEN SOLLTEN

Es passiert innerhalb weniger Sekunden.

Der Weg zur Toilette in der Nacht. Eine Teppichkante. Ein kurzer Schwindel beim Aufstehen. Ein falscher Schritt auf der Treppe.

Dann liegt ein Mensch am Boden, der gestern noch weitgehend selbstständig war.

Gerade bei älteren Menschen kann ein Sturz weit mehr sein als ein vorübergehender Schreck. Ein Oberschenkelhalsbruch, eine Verletzung am Kopf oder eine längere Zeit der Immobilität können dazu führen, dass Selbstständigkeit verloren geht. Manchmal beginnt genau mit einem Sturz eine Pflegebedürftigkeit, mit der vorher niemand gerechnet hat.

Deshalb lohnt es sich, nicht erst nach dem ersten schweren Sturz über das Thema nachzudenken.

Warum ältere Menschen häufiger stürzen

Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper. Muskelkraft und Gleichgewicht können nachlassen, die Reaktionsfähigkeit wird langsamer und das Sehvermögen schlechter.

Oft kommt nicht eine einzelne Ursache zusammen, sondern mehrere kleine Faktoren.

Ihr Angehöriger sieht nachts schlechter, muss wegen bestimmter Erkrankungen häufiger zur Toilette, steht schnell auf, fühlt sich dabei kurz schwindelig und läuft im Halbdunkel über einen Teppich.

Jeder einzelne Faktor erscheint zunächst harmlos.

Zusammen können sie gefährlich werden.

Auch Erkrankungen können das Sturzrisiko erhöhen. Dazu gehören beispielsweise Parkinson, Folgen eines Schlaganfalls, Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans, Demenz oder Kreislaufprobleme.

Und auch Medikamente spielen eine Rolle.

Schauen Sie sich die Wohnung einmal mit anderen Augen an

Wenn wir jahrelang in derselben Wohnung leben, nehmen wir viele Dinge überhaupt nicht mehr wahr.

Der kleine Teppich im Flur gehört einfach dorthin.

Das Verlängerungskabel liegt schon seit Jahren hinter dem Sessel.

Die Stufe zwischen Wohnzimmer und Terrasse kennt schließlich jeder.

Für einen unsicher gewordenen Menschen können genau diese Dinge plötzlich zum Problem werden.

Gehen Sie deshalb einmal bewusst durch die Wohnung Ihres Angehörigen und fragen Sie sich:

Was könnte hier zum Stolpern führen?

Achten Sie besonders auf lose Teppiche, Kabel, schlecht erkennbare Stufen, herumstehende Gegenstände und schlecht beleuchtete Wege.

Dabei geht es nicht darum, die gesamte Wohnung umzubauen.

Oft bringen schon kleine Veränderungen viel.

Besonders wichtig: der Weg zur Toilette

Viele Stürze passieren nachts.

Der Betroffene wacht auf, muss zur Toilette und steht vielleicht noch halb verschlafen auf. Das Licht wird nicht eingeschaltet, weil man den Weg seit Jahrzehnten kennt.

Doch genau diese Routine kann gefährlich werden.

Ein Nachtlicht oder eine automatische Beleuchtung kann den Weg deutlich sicherer machen.

Auch sollte der Weg zur Toilette möglichst frei von Hindernissen sein.

Wenn Ihr Angehöriger nachts sehr häufig zur Toilette muss, sollte zudem geklärt werden, warum das so ist. Erkrankungen können ebenso eine Rolle spielen wie bestimmte Medikamente.

Das Badezimmer verdient besondere Aufmerksamkeit

Nasse Fliesen und glatte Oberflächen machen das Badezimmer zu einem besonderen Gefahrenbereich.

Haltegriffe, ein stabiler Duschhocker oder eine rutschhemmende Unterlage können die Sicherheit verbessern.

Entscheidend ist jedoch, dass Hilfsmittel zur jeweiligen Person passen.

Ein irgendwo montierter Griff hilft wenig, wenn Ihr Angehöriger ihn aus seiner normalen Bewegung heraus nicht erreichen kann.

Lassen Sie sich deshalb beraten, bevor größere Veränderungen vorgenommen werden.

Der Rollator ist kein Zeichen von Schwäche

Viele ältere Menschen wehren sich zunächst gegen einen Rollator.

„So weit bin ich noch nicht.“

Diesen Satz hören Angehörige häufig.

Dabei ist eine Gehhilfe kein Symbol für Pflegebedürftigkeit. Sie kann genau das Gegenteil bewirken: Sie kann dazu beitragen, Mobilität und Selbstständigkeit länger zu erhalten.

Ein Rollator sollte allerdings richtig eingestellt und sicher benutzt werden.

Auch das lässt sich lernen.

Nach einem Sturz beginnt häufig die Angst

Ein Aspekt wird besonders leicht übersehen.

Nach einem Sturz ist nicht nur der Körper verletzt.

Oft bleibt die Angst.

Der Betroffene bewegt sich vorsichtiger, geht weniger nach draußen und vermeidet Treppen. Dadurch nimmt die Muskelkraft weiter ab. Die Unsicherheit wächst – und damit möglicherweise erneut das Sturzrisiko.

So kann ein Kreislauf entstehen:

Sturz – Angst – weniger Bewegung – weniger Kraft – noch größere Unsicherheit.

Deshalb ist es wichtig, nach einem Sturz nicht nur nach Verletzungen zu suchen, sondern auch die Ursache zu hinterfragen und die Mobilität soweit möglich wieder zu fördern.

Und wenn Ihr Angehöriger gestürzt ist?

Nicht jeder Sturz erfordert automatisch einen Krankenhausaufenthalt. Trotzdem sollten Sie die Situation ernst nehmen.

Bei starken Schmerzen, sichtbaren Verletzungen, Bewusstseinsstörungen oder wenn der Betroffene nicht mehr aufstehen beziehungsweise ein Körperteil nicht normal bewegen kann, ist medizinische Hilfe erforderlich.

Besondere Aufmerksamkeit ist nach einem Sturz auf den Kopf notwendig.

Das gilt insbesondere, wenn Arzneimittel eingenommen werden, die die Blutgerinnung beeinflussen. Auch wenn äußerlich zunächst wenig zu erkennen ist, können Verletzungen vorliegen, die medizinisch beurteilt werden müssen.

Versuchen Sie außerdem herauszufinden, warum es zu dem Sturz gekommen ist.

War es tatsächlich nur die Teppichkante?

Oder war dem Betroffenen vorher schwindelig?

Gab es eine kurze Bewusstlosigkeit?

Wurde kürzlich ein Medikament neu angesetzt oder die Dosierung verändert?

Ein Sturz kann manchmal ein Warnsignal sein.

Aus der Apotheke vor Ort: Manchmal lohnt sich der Blick auf die Medikamente

Wenn ein Angehöriger plötzlich häufiger unsicher läuft oder stürzt, sollte auch die Medikation betrachtet werden.

Bestimmte Arzneimittel können beispielsweise Müdigkeit, Benommenheit, Blutdruckabfälle oder Schwindel begünstigen. Besonders bei einer umfangreichen Medikation können sich verschiedene Effekte zusätzlich überlagern.

Setzen Sie deshalb Medikamente nicht eigenmächtig ab.

Bringen Sie stattdessen Ihren aktuellen Medikationsplan mit in die Apotheke und schildern Sie, was Ihnen aufgefallen ist. Dort kann geprüft werden, ob die Arzneimitteltherapie als möglicher Faktor berücksichtigt werden sollte und ob eine ärztliche Rücksprache sinnvoll ist.

Gerade bei vielen dauerhaft einzunehmenden Arzneimitteln kann außerdem eine strukturierte Arzneimittelversorgung hilfreich sein. Unsere Apotheken unterstützen Patienten und Angehörige unter anderem bei Fragen zur Medikation und bieten bei geeigneten Patienten auch eine patientenindividuelle Verblisterung an. Dabei werden geeignete Medikamente nach Einnahmetag und Einnahmezeitpunkt zusammengestellt.

Das nimmt Angehörigen nicht die Verantwortung ab. Es kann aber einen Teil des täglichen Medikamentenmanagements deutlich übersichtlicher machen.

Machen Sie aus der Wohnung keinen Hochsicherheitstrakt

Bei aller Vorsicht sollte eines nicht vergessen werden:

Ein Leben ohne jedes Risiko gibt es nicht.

Wer aus Angst vor einem Sturz jede Bewegung verhindert, erreicht möglicherweise genau das Gegenteil. Muskeln werden schwächer, Bewegungsabläufe unsicherer und Selbstständigkeit geht verloren.

Das Ziel sollte deshalb nicht lauten:

„Bloß nicht mehr bewegen.“

Sondern:

„So sicher wie möglich in Bewegung bleiben.“

Unser Fazit

Ein Sturz im Alter ist nicht immer einfach Pech.

Manchmal gibt es Warnzeichen. Manchmal lassen sich Risiken reduzieren. Und manchmal steckt hinter wiederholten Stürzen eine Ursache, die bisher niemand erkannt hat.

Schauen Sie deshalb nicht nur auf Teppiche und Haltegriffe.

Schauen Sie auf den ganzen Menschen.

Wie bewegt er sich? Wie gut sieht er? Ist ihm häufig schwindelig? Welche Erkrankungen bestehen? Welche Medikamente nimmt er ein? Hat sich in letzter Zeit etwas verändert?

Und vor allem: Sprechen Sie mit Ihrem Angehörigen darüber.

Denn das Ziel der Sturzprävention ist nicht, einen Menschen aus Angst vor Verletzungen immer stärker einzuschränken.

Das Ziel ist, ihm möglichst lange etwas zu erhalten, das im Alter besonders wertvoll wird:

die Freiheit, sich selbstständig und möglichst sicher bewegen zu können.