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PFLEGEGRAD BEANTRAGEN – WANN IST DER RICHTIGE ZEITPUNKT?

Wenn ein Angehöriger plötzlich auf Hilfe angewiesen ist, fällt früher oder später ein Begriff, mit dem die meisten Menschen vorher kaum Berührung hatten: Pflegegrad.

Viele Angehörige fragen sich:

  • „Müssen wir den Pflegegrad sofort beantragen?“
  • „Wer stellt den Antrag?“
  • „Was passiert nach dem Antrag?“
  • „Hat ein Antrag überhaupt Aussicht auf Erfolg?“

Die wichtigste Antwort gleich vorweg:

Warten Sie nicht zu lange.

Was ist ein Pflegegrad?

Ein Pflegegrad beschreibt, wie stark ein Mensch aufgrund einer körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigung dauerhaft auf Unterstützung angewiesen ist.

Dabei geht es nicht um eine bestimmte Erkrankung. Entscheidend ist vielmehr, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag noch bewältigen kann.

Kann er sich alleine waschen?

Kommt er selbstständig aus dem Bett?

Findet er sich zeitlich und räumlich zurecht?

Kann er seine Medikamente eigenständig einnehmen?

Je größer die Einschränkungen sind, desto höher kann der Pflegegrad ausfallen.

Wer kann einen Pflegegrad beantragen?

Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt. Diese ist immer der jeweiligen Krankenkasse angegliedert.

Ein formloser Anruf genügt häufig bereits, um den Antrag auf den Weg zu bringen. Viele Pflegekassen bieten den Antrag inzwischen auch online an.

Den Antrag kann stellen:

  • die betroffene Person selbst,
  • ein bevollmächtigter Angehöriger,
  • ein gesetzlicher Betreuer oder
  • eine andere hierzu berechtigte Person.

Warum Sie den Antrag möglichst früh stellen sollten

Viele Angehörige hoffen zunächst, dass sich der Gesundheitszustand wieder vollständig verbessert.

Natürlich ist diese Hoffnung verständlich.

Dennoch sollten Sie den Antrag nicht unnötig hinauszögern. Leistungen der Pflegeversicherung werden grundsätzlich erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung gewährt – nicht rückwirkend für die Zeit davor.

Je früher der Antrag gestellt wird, desto früher kann die Begutachtung erfolgen.

Was passiert nach dem Antrag?

Nach Eingang des Antrags beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst oder – bei privat Versicherten – einen entsprechenden Gutachter.

Dieser vereinbart einen Termin, um die persönliche Situation zu beurteilen.

Dabei wird nicht geprüft, wie gut oder schlecht ein Angehöriger gepflegt wird.

Entscheidend ist vielmehr, welche Unterstützung der Betroffene tatsächlich benötigt.

Keine Angst vor der Begutachtung

Viele Familien empfinden den Besuch des Gutachters als belastend.

Dabei hilft vor allem eines:

Bleiben Sie ehrlich.

Aus Scham oder Gewohnheit werden Einschränkungen häufig heruntergespielt.

Sätze wie „Das geht schon irgendwie“ oder „Wir schaffen das gemeinsam“ spiegeln oft nicht den tatsächlichen Alltag wider.

Beschreiben Sie deshalb offen, wobei Hilfe erforderlich ist – auch wenn manches selbstverständlich geworden ist.

Nur so kann die Situation realistisch eingeschätzt werden.

Dokumentieren Sie den Alltag

Es kann hilfreich sein, bereits einige Tage vor der Begutachtung Notizen anzulegen.

Zum Beispiel:

  • Wobei ist Hilfe erforderlich?
  • Wie oft wird Unterstützung benötigt?
  • Welche Tätigkeiten übernimmt bereits die Familie?
  • Welche Schwierigkeiten treten regelmäßig auf?

Diese Aufzeichnungen helfen nicht nur beim Begutachtungstermin, sondern geben auch Ihnen selbst einen besseren Überblick.

Aus der Apotheke vor Ort

Gerade bei Menschen mit einem Pflegegrad nimmt die Anzahl der Medikamente häufig zu. Unterschiedliche Einnahmezeiten und regelmäßige Änderungen können den Alltag erschweren.

Ihre Apotheke unterstützt Sie dabei, den Überblick zu behalten – beispielsweise durch die Prüfung des Medikationsplans oder, wenn eine langfristige Arzneimitteltherapie besteht, durch eine patientenindividuelle Verblisterung. So können Medikamente bereits nach Einnahmezeitpunkten vorbereitet werden und die tägliche Organisation wird deutlich einfacher.

Unser Fazit

Ein Pflegegrad ist kein Etikett und auch kein Zeichen des Aufgebens.

Er ist die Grundlage dafür, dass Menschen die Unterstützung erhalten können, die sie im Alltag tatsächlich benötigen.

Deshalb gilt:

Stellen Sie den Antrag lieber früh als zu spät.

Selbst wenn sich der Gesundheitszustand später wieder verbessert, haben Sie zunächst die Voraussetzungen geschaffen, notwendige Hilfen in Anspruch nehmen zu können.

Im nächsten Artikel erklären wir, wie die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst abläuft und worauf Sie sich dabei vorbereiten sollten.